 dem Meer, in der schönsten
Gegend von Dalmatien gelegen. Diocletian schien mit auffallender Vorliebe und
allem Eifer, den ihm seine Schwachheit übrig ließ, die Vollendung dieses Baues
zu betreiben, der so ganz das Gepräge einer stillen Freistatt nach den Stürmen
und Mühseligkeiten eines tatenvollen Lebens trägt. Ich sehe im Geiste Alles
vor, es ist, als ob eine geheime Stimme mir es zuflisterte. Freiwillig oder
halbgezwungen, aus Philosophie, oder um das untergehende Gestirn dem bösen
Einfluss des gewaltsam empordringenden zu entziehen, wird Diocletian die Zügel
der Regierung niederlegen, Galerius - Augustus heißen, und wie Diocletian, Herr
der Welt sein wollen. Auch spricht man am Hofe und in der Stadt zu viel, zu
allgemein, zu laut von dieser wahrscheinlichen Zukunft, als dass dies Gerücht
bloß der aufgetriebene Schaum des Müssigganges und der Langeweile sein sollte,
die schon so manches Gerede erzeugt haben. Heimliche Boten sind ausgesendet, um
im Gespräch gleichsam zufällig die Nachricht zu verbreiten, und die Welt auf das
seltsam wichtige Schauspiel vorzubereiten. Man erwartet das jüngst kaum
Geglaubte, das halb Unmögliche, fast schon als gewiss. Der Ehrgeiz, die
Ruhmsucht, der Eigennutz in seinen innersten Tiefen durch neue Hoffnungen,
Besorgnisse und Aussichten geweckt, kommt in gährende Bewegung, die Neugierde
zermartert sich in Vermutungen und Erwartungen, und der müßige Pöbel des Hofes
und der Stadt sieht mit gespannter Aufmerksamkeit dem großen Ereignis, wie einem
interessanten Schauspiel, entgegen, von dem er sich Zerstreuung und Zeitkürzung
erwartet. So stehen die Sachen hier. Seit dem diese Gerüchte anfangen laut zu
werden, und vom Hofe aus ihnen Niemand widerspricht, handelt und befiehlt
Galerius als Einer, der bald allein zu handeln und zu befehlen haben wird. Er
möchte sich doch verrechnet haben. Der Titel eines morgenländischen Augustus
enthält noch nicht den Titel des Herrschers der Welt, nicht jeder Augustus ist
ein Diocletian, und gerechte Ansprüche zu sichern, und von ihnen geleitet und
geschützt so weit zu gehen, als Sterblichen möglich ist, ist der hohe Beruf, den
die Natur in manche Seelen legte, und den zu überhören, sie eben so unwürdig als
unmöglich dünken würde.
    Was mein Vater für mich im Stillen bereitet hat, was mir aus jenen Gegenden
droht, und was ich dort durch seine und deine rastlose Sorge und Anstrengungen
zu hoffen habe, habe ich teils durch deine geheimen Briefe, die mir der treue
Vipsanius aus Laureacum brachte, teils durch die mündlichen Nachrichten
erfahren, die mir die edle Valeria, als das letzte Vermächtnis ihres und meines
sterbenden Freundes, mitgeteilt hat. Ich habe sie in Byzanz gesehen, und auf
den ersten Blick die Landsmännin in ihr erkannt. Solche schlanke weiße
Gestalten, so gelbes Haar, so dunkelblaue Augen erzeugt nur Britanniens lieblich
düsterer
