 mehr zu tun übrig, und ich hoffe mit Zuversicht viel Gutes und Großes für
die Menschheit von dem, was jetzt bereitet wird.
    Du zwar, mein geliebter Freund! wirst nicht ganz in unsere Plane einstimmen.
Deine Ansichten sind verschieden. Ich werde es nicht unternehmen, sie zu
bekämpfen, noch weniger sie unrichtig zu nennen, aber ich fühle mein Herz
erleichtert, wenn ich dir die Beweggründe, die mich handeln machen, genau
auseinanderlegen, und so mein Inneres dir, dem Lehrer und Leiter meiner Jugend,
unverhüllt zeigen kann.
    Du hast mir in deinem letzten Briefe zugegeben, dass Religion für die
Menschen überhaupt notwendig, und dass sie, weil der Mensch auch im rohesten
Zustand Spuren von übersinnlichen Begriffen zeigt, gewissermaßen in seiner Natur
gegründet sei. Aber du ließest ihn, den unsichtbaren Urheber des Ganzen, den
Schleuderer des Blitzes, den Spender der Ernten nur mit dem Verstande aufsuchen
und finden, und bist überzeugt, dass jene Vermutungen, auf welche die
freiwirkende Vernunft des Menschen durch bloße Betrachtung der Natur führt,
folglich die bloße Idee eines höchsten Wesens und einer Fortdauer nach dem Tode,
hinreichend zur Sittlichkeit und Glückseligkeit des Menschen auf jeder Stufe der
Kultur sei.
    Ich will nichts davon sagen, dass bis jetzt weder die ältere noch neuere
Geschichte uns ein Beispiel eines, wenn auch noch so kleinen, Volkes aufstellt,
das sich mit dieser bloßen Vernunft-Religion begnügt hätte! Ich bitte dich bloß
umherzusehen, und unter den Menschen, welche sich gesittet, gebildet, gelehrt
nennen, mit scharfer Prüfung diejenigen auszusondern, deren Seelen erhaben und
reich genug wären, um zum Guten und Schönen keines andern Antriebes, als der
heiligen Stimme in ihrer reinen Brust zu bedürfen. Wie klein wird diese Anzahl
sein! Und kann es wohl mehr als ein schöner Traum genannt werden, wenn wir
hoffen wollten, die ganze Menschheit einst auf einer hohen Stufe der Kultur zu
sehen? Würden nicht selbst in dieser mehr als platonischen Republik die Menschen
noch immer dem Irrtum der Sinne, den Grübeleien, den Täuschungen der Vernunft
unterworfen, dem Einfluss und der Gewalt der Elemente, der Naturwirkungen hilflos
bloß gestellt sein? Was können spitzfindige Systeme gegen die Macht des
Unglücks? Was vermag die so oft irrende Vernunft, die über die wichtigsten
Punkte nichts als Vermutungen hat, gegen die furchtbare Gewalt des nagenden
Zweifels, wenn er einmal angefangen hat, die Grundfesten unserer Ruhe zu
untergraben? O Phocion! Denke deinem Schicksale nach - meine Hand würde zittern,
wenn ich jene alten, vielleicht jetzt nicht ganz geheilten Wunden berühren
sollte - denke deinem Schicksale nach, und wenn du wünschest, dass das
Menschengeschlecht nur durch Vernunft zu fester Ruhe und Sittlichkeit gelange,
so erinnere dich jener Stunden, in welchen die
