 Europa
komme, so werde ich unmöglich die Küsten eines Landes, wo du schon lange von mir
getrennt bist, betreten können, ohne dich zu sehen. Wie groß auch der Umweg sein
mag, ich eile sicher von Byzanz in deine Arme, und bringe dir meine Teophania.
Mich führen die Angelegenheiten meiner Glaubensgenossen durch Dacien und
Noricum, vielleicht sogar bis nach Britannien zu dem abendländischen Cäsar.
Galerius Untergebene wüten in den Provinzen, die seiner Macht anvertraut sind,
ganz im Sinne ihres Gebieters gegen die Christen. Konstantin hat vom Diocletian,
der ihn seit einiger Zeit mit größerer Auszeichnung behandelt, ein Edict
erhalten, worin das Verfahren bei den Untersuchungen, die Zwangsmittel und
Strafen genauer bestimmt, und der Willkür nicht mehr so viel Raum gelassen
wird. Dies ist hauptsächlich für jene Provinzen bestimmt, in denen Galerius
befiehlt. Nicht viel besser geht es jenen, die unter dem Zepter des rohen
Maximian stehen. Nur in Spanien, Gallien und Britannien schützt Konstantins
milder Geist die unglücklichen Verfolgten. Viele hart bedrängte Familien
flüchten daher aus jenen Provinzen in diese stillen Freistätten, und da man sie,
besonders die Reichen, nicht gern ziehen lasst, so entstehen hieraus tausend
Misshelligkeiten und Zwiste, die nur eines Anlasses bedürften, um in volle
Flammen auszubrechen.
    Alles gährt in wildem Missmute, Alles ist bereit, offenen Krieg zu erklären,
die Zeiten der Ruhe sind vorbei, die dumpfe Stille, die noch jetzt herrscht, ist
Täuschung und Schein. Sobald Diocletian, dessen Gesundheit und Geisteskraft
sichtbar abnehmen, die Augen schließt, treten die schrecklichen Szenen ein, die
vor seiner Regierung das Reich, die Welt verwüsteten. Das sind die Ahnungen, die
bereits vor zwei Jahren meinen Geist düster umwölkten, wenn ich dem Gange der
Begebenheiten nachsann, und seit jener Zeit hat nicht das geringste Ereignis
meine Furcht Lügen gestraft, vielmehr jedes dazu beigetragen, sie zu bestätigen.
Aber nicht mehr rettungslos erscheint mir jetzt, wie damals, die Lage des
Menschengeschlechts, es gibt eine Hoffnung, es lebt ein Retter. Das Christentum
muss herrschende Volksreligion werden, die Römische Welt Ein Oberhaupt haben, die
alten Formen müssen zerbrochen, der Sitz der Regierung wo anders hin verlegt,
die Macht der Prätorianer, dieser nie zu löschende Vulkan, aus dessen Schoss
alle die unseligen Stürme hervorbrechen, zerstört werden. Und wer, wer unter
allen Menschen, die jetzt auf dem Schauplatz der großen Begebenheiten leben und
wirken, könnte diese schöne, beglückende Idee in Wirklichkeit einführen, wer
anders als Konstantin, er, den die Vorsicht ganz dazu bestimmt, und mit allen
Gaben, die dieser hohe Beruf erfordert, ausgerüstet zu haben scheint? Ost in
stillen unvergesslichen Stunden war der Entwurf und die mögliche Ausführung
dieses Plans unser feuriges Gespräch,
