 verehrlichen würdigen Gegenständen auf ein
Volk, das größtenteils nicht durch langsame Fortschritte zu einer seinen
Geisteskräften angemessenen Kultur gekommen, sondern über das die Wollüste, die
Üppigkeit und die Kenntnisse unterjochter weichlicher Nationen, als Beute der
Sieger, wie ein Strom unvorbereitet hereingebrochen waren, auf ein Volk, bei dem
sich schnell die alte raue Tugend mit den verfeinerten Wollüsten Asiens und
Griechenlands vermischte, und das nun durch die eben so schnell erreichte
Überreifheit des Geistes Alles, was einer bessern Vorwelt heilig war,
mutwillig und lüstern in den Staub tritt. Er suchte uns endlich zu beweisen,
dass nur die Einführung einer Religion, die statt der erloschenen Tugenden, statt
Vaterlandsliebe, strenger Sitte u.s.w., überirdische Beweggründe zum Handeln
angibt, und die reinste Sittlichkeit fordert, dem allgemeinen Verderbnis und der
Auflösung des Ungeheuern Staatskörpers wirksam entgegen arbeiten könne.
    Während dieses Gesprächs, das mich, obwohl ich bei Weitem nicht mit Allem
verstanden war, doch sehr anzog und beschäftigte, war die Sonne gesunken, wir
traten aus dem Speisesaal in's Freie, der Mond ging hinter dem Cedernwald auf,
und wir wollten Abschied nehmen. Aber unsere gütigen Wirte ließ uns nicht so
schnell von sich. Besonders drang Teophania mit einer Herzlichkeit in mich, der
ich unmöglich widerstehen konnte. Wir blieben mit dem angenehmen Gefühl, mit dem
man sich unter guten liebenden Menschen befindet, und mein Widerwille gegen
Teophania hatte sich, ich weiß nicht wie, ganz aus meinem Herzen verloren. Wir
durchwandelten die Gärten in der Kühlung des Abends und der kommenden Nacht,
Gespräche, Saitenspiel und Gesang verkürzten die Stunden, auch Teophania singt
und spielt, und ich kann dich versichern, mit bedeutender Fertigkeit und Anmut.
Zwei freundliche Zimmer, vor deren Fenstern Orangenbäume im Nachtwind säuselten,
nahmen uns endlich auf, und ein leichter luftiger Schlummer schloss meine Augen,
und hinderte jeden ernsten Rückblick auf den in so vieler Hinsicht merkwürdigen
Tag. Als Aeos mit Rosenfingern erwachte, erweckte ihr rötlicher Glanz zwischen
Blätterschatten um mich spielend, meine Sinne aus dem erquickenden Schlafe. Ich
wagte es um meines Vaters willen nicht länger zu bleiben, so wohl es mir hier in
dieser Wohnung des Friedens und der Liebe gefiel. Wir nahmen herzlichen Abschied
von den edlen Bewohnern des Hauses, mussten ihnen versprechen, bald wieder zu
kommen, und so langte ich denn gestern in seltsamen Gefühlen und Gedanken hier
an, die mich noch nicht verlassen haben, deren Eindruck, wie ich glaube, so bald
nicht aus meiner Brust verschwinden wird. Leb' wohl!
 
                                    Fußnoten
1 Stadium war ein Längenmaass der Alten.
2 Die Alten kannten den Gebrauch der Leinwand nicht so wie wir, sie bedienten
sich meistens wollener Stoffe, wozu die Wolle oft auf ihren eigenen Gütern
