
Vorwand, den Übermut der Perser, die ihm sein Reich vorenthalten, zu
demütigen. Narses trotzt auf ungeheure Heere, auf seines Ahnherrn Saphor
allzugünstiges Glück, und die Cäsarn, eingedenk Valerians1 schimpflicher
Gefangenschaft, und seines entehrenden Todes, brennen, die alte Schmach in
Perserblut abzuspühlen. So stehen beide Völker einander gegenüber; und nach der
vorigen Niederlage des Galerius ist das Auge der Welt auf diesen entscheidenden
Kampf gleicher Kräfte ängstlich geheftet. Auch meines, Phocion! und höher
schlägt mein Herz bei dem Bilde künftiger Schlachten, großer Ereignisse,
verhängnissvoller Taten, die für das Vaterland so wichtig werden können.
    Aber nicht allein des Vaterlandes Schicksal, auch das Schicksal des Freundes
ist's, was mich diesmal lebhafter als je für diesen Krieg bewegt. Tiridates
Glück hängt davon ab. Ich liebe ihn, seine Ansprüche sind gerecht, der Ausgang
kann mir nicht gleichgültig sein. Er gründet noch manche andre Hoffnung auf den
Fortgang seiner Waffen, die ihm wohl sehr teuer, nach meiner Meinung aber nicht
eben so gerecht ist. Sulpicien, die er mit unaussprechlicher Heftigkeit liebt,
denkt er durch eine Scheidung, die er durch die Einwirkung des Galerius zu
erhalten hofft, ihrem Manne zu entziehen, und dann auf den armenischen Thron zu
erheben. Es ist Alles unter ihnen verabredet und sicher bestimmt, nur Zeit und
Gelegenheit wird erwartet. Mir ist diese Sache widerlich, und ich würde einen
vorzüglicheren Ruhm darin finden, gar nicht im Geheimnisse zu sein, wo abraten
vergebens, und zustimmen wider meine Denkart ist. Nicht viel besser, als der
Plan zu einem Raube, scheint mir diese Verabredung, durch überdachte Maßregeln
einem Manne dass zu nehmen, was rechtmäßig sein ist. Mag immer Serranus
Sulpiciens schätzbaren Eigenschaften kein gleiches Verdienst entgegen zu setzen
haben, und mit eben so viel Leichtsinn als Schwäche über Gebühr an armseligen
Vergnügungen hängen - sie ist nach den Rechten der Väter, nach ihres Vaters
Willen, mit ihrer eigenen Zustimmung sein Weib geworden, und soll es bleiben,
bis gegenseitige Übereinkunft beider Gatten ein Band, zu lösen für gut findet,
das nicht länger mit ihrem Wohl bestehen kann. Tritt einst dieser Fall ein, dann
mag sie aus seinem Hause in das eines Andern übergehn.
    Was noch mehr als diese heimliche Falschheit mich innerlich verdriesst, ist
der Leichtsinn, mit welchem Kalpurnia in diesen Plan eingeht, und ihn, so viel
sie kann, unterstützt. Was könnte dieses Mädchen sein, wenn nicht allzugrosse
Leichtigkeit der Denkart, und ihr Hauptgrundsatz, dass Behaglichkeit und
Vergnügen der einzige und letzte Zweck unsers Daseins sind, sie über manches
Erhabne und Ernste so spielend wegführte. Sie hat viele achtungswerte Vorzüge,
sie ist eines hohen Grades vom Menschenliebe, von Freundschaft fähig, manches
Opfer sogar bringt
