 und erquickend, wie der Schlummer der Unschuld
und Tugend. Am Morgen erwachte er heiter und gestärkt, sein erster Laut war mein
Name. Seitdem bin ich wieder beständig um ihn. Wir haben uns so viel zu
erzählen, zu fragen! Auch heute kam Kalpurnia nicht! Sollte sie vermuten oder
wissen, was vorgefallen ist? Agatokles nennt ihren Namen nicht, und Konstantin
zu fragen, habe ich nicht den Mut. Er ist jetzt bei ihm, ich habe diese Zeit
benützt, um dir mein Glück zu melden, an dem du, teure treue Freundin, gewiss
den lebhaftesten Anteil nehmen wirst. Leb' wohl!
 
                          75. Sulpicia an Kalpurnien.
                                                         Ecbatana, im Febr. 303.
Wie vom düstern Strande des Kocyt und den Reichen der Schatten, kommt dieser
Brief zu dir. Mühsam bin ich noch diesmal dem Nachen des Charon entronnen, und
zu dem Reste von Leben erwacht, der der zerstörten Maschine noch übrigt. Die
Reise, die Luftveränderung, statt wohltätig auf mich zu wirken, hatte mich ganz
erschöpft. Mit Todesgedanken betrat ich den königlichen Palast, den ich wohl
nicht lebend mehr verlassen werde. Nach einigen Tagen fühlte ich mich so weit
erholt, dass ich, dem Wunsche meines Gemahls zufolge, die Zeremonien der Krönung
mitmachen konnte. Aber sie waren kaum vorüber, so sanken meine Kräfte völlig,
und ich schwebte mehr als einen Monat zwischen Leben und Tod. Ich genas endlich
wieder, das heißt, ich kann in dem sonnigen Porticus meines Palastes und in den
Gärten langsam herumschleichen, die eben jetzt unter dem Hauche des Frühlings zu
erwachen beginnen. Bald wird auch das wieder aufhören, ich fühle das mörderische
Eisen, das die Parze an den morschen Faden meines Lebens legt, und bald wird von
deiner Freundin nichts mehr übrig sein, als was eine Urne füllt.
    Und warum hat ein eisernes Geschick mein Urteil so streng, so
unwiderruflich gesprochen! Warum hat mich seit meiner Kindheit das Unglück
unabtrennbar begleitet? Wie wenig frohe Stunden wurden mir zum Teil? Und jetzt,
wo endlich alle Kämpfe aufgehört haben, alle Hindernisse besiegt sind - jetzt
soll ich sterben? wie hart, wie ungerecht ist dieses Loos! Haben denn nicht alle
Geschöpfe Ansprüche auf Glück? Auch das geringste Insekt ist mit den Fähigkeiten
dazu ausgerüstet, und erfüllt diesen Zweck und ist in sich vollendet. Nur der
Mensch allein darf sich des Vorrechts rühmen, vernünftig und elend zu sein. So
beschämt uns der Wurm, der zu unsern Füßen kriecht, und wir wären tausendmal
glücklicher, wenn wir nichts als den blinden Instinkt von der Natur erhalten
hätten, wenn unsere Wünsche mit unserm Vermögen gleichen Schritt hielten, und
keine Voraussehung uns die Freuden der Gegenwart vergiftete.
    Sage mir, Kalpurnia -
