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zur Ehre, den Liebling des Cäsar Galerius2 seinen Freund nennen zu können. Er
prahlt damit, er gibt sich das Ansehen, die Absichten des Prinzen durch sich und
seine Freunde an den Höfen von Mailand und Nikomedien zu unterstützen, und wenn
einst Tiridates den Thron seiner Väter besteigt - gib Acht - dein Serranus lässt
dann nicht undeutlich merken, dass ohne ihn das Alles wohl nicht geschehen wäre.
Was trieb dich denn also fort? Was bewog dich, jetzt nach Bajä zu gehen, wo dein
Umgang mit Tiridates weit mehr auffallen muss, als in Rom, und deine häusliche
Ruhe, deinen Ruf vor der Welt auf's Spiel zu setzen? Wenn dein Mann, der, wie
alle eitle Menschen, eifersüchtig ist, erfährt, was auf seiner Villa vorgeht,
(und wie leicht ist das nicht, da deine Leute darum wissen müssen?) wird er
nicht toben, rasen und ein Aufsehen machen, das dich dem boshaftesten Gelächter
der Stadt Preis geben, dir die Herrschaft über ihn, die allein deine häusliche
Ruhe sichert, entreißen, und dir den Aufenthalt bei ihm vollends unerträglich
machen wird? Willst du dich dann von ihm trennen? Wird das dein Vater zugeben,
der in die Verbindung mit der Anicischen Familie seinen Stolz setzt? Und was
steht dir dann für ein Leben bevor?
    Es ist wahr, du kannst in Nom deinen Tiridates weder so oft noch so
ungestört sehen, als dein Herz wünschen mag. Dein Mann, die Freunde deines
Mannes, deine Verwandten, die dich besuchen, sind öfters zugegen. Das ist aber
auch das Einzige, was du zu ertragen hast, und - aufrichtig gesprochen - liegt
nicht selbst in dieser Störung, in diesen Entbehrungen ganz eigentlich die Würze
der Liebe, die wohl ohne sie gewiss nicht halb so warm und reizend sein würde?
    Du nennst mich immer die Leichtsinnige, die Epikuräerin; aber du kennst
entweder die Lehren dieses Weisen nicht in ihrem ganzen Umfange, oder du
schließt die Augen absichtlich vor ihrem Wert. Kluges Maß, sparsamer Genuss
der Freude, Kraft zur Entbehrung des Liebsten, wenn es die Vernunft fordert, das
ist es, was man in seiner Schule lernt, die bei weitem nicht so leicht, so
locker ist, als du glaubst. Ich an deinem Platze, zum Beispiel, würde nicht nach
Bajä3 gegangen sein, ich würde mir den Genuss der Freuden, die mich dort
erwarteten, aus Grundsätzen versagt haben, und meinen Geliebten lieber seltener,
und mit minderer Freiheit sehen, um ihn immer sehen zu können; den großen
Vorteil abgerechnet, dass unsre gegenseitige Liebe dann viel länger neu und
anziehend geblieben, und mit dem großen Reize der Heimlichkeit gewürzt gewesen
wäre.
    Du siehst, meine
