 es ist, so
trennt ein böses Schicksal, oder noch bösere Menschen sie auf ewig von mir - so
ist sie nicht viel besser, als für mich verloren, für mich, dem sie sich so
ängstlich verbirgt. O kann sie denn das Entzücken nicht denken, in das mich ihre
Erscheinung versetzen würde? Glaubt sie nicht mehr an meine Treue, weil die
ihrige erloschen ist? O beim Himmel! Wenn das wäre - - dann musste ich den für
meinen Todfeind halten, der mir die Gewissheit gäbe, dass sie den Händen der
Goten entgangen ist, um das Weib jenes Marcius zu werden!
    Und wenn sie nicht Larissa ist? Wenn diese wirklich unter dem Hügel von
Trachene begraben liegt? O die Wahrscheinlichkeit dieses Gedankens drängt sich
mir, wenn meine Phantasie in kühnen Bildern schwelgt, am öftersten, am
lähmendsten auf! Wer weiß, wer diese Teophania ist! Sie ist aus Nikomedien
gebürtig, sie hat mich vor zehn Jahren öfter gesehen, ich sie auch vielleicht,
ohne ihren Namen zu wissen. Wie leicht ist eine gleichgültige Gestalt in zehn
Jahren vergessen! Heliodor hat sie zufällig in Byzanz kennen gelernt, die junge
verlassene Wittwe begibt sich unter den Schutz des ehrwürdigen Priesters, dessen
Alter und Denkart ihr eine anständige Begleitung zusichert. So kommen sie nach
Syntium, so nach Nicäa, wo er sie zu seinen Verwandten bringt. Dort lebt sie
verborgen, bis der verächtliche Wollüstling Marcius die große Zahl seiner
Schlachtopfer mit ihr vermehren will. Wie alltäglich, wie allzunatürlich ist
diese Geschichte! Ihre Erschütterung beim Anblick meines Bildes, ihre folgende
Blässe, Verstörteit, der geänderte Reiseplan sind wohl eben so unbedeutende
Umstände, die nur in Sulpiciens Phantasie, welche gern die gewöhnlichsten Dinge
in einem seltsamen patetischen Lichte sehen will, ihren Ursprung haben. So
fallen meine Hoffnungen in ein leeres Nichts zusammen.
    Hundert Mal in einem Tage durchläuft mein bewegtes Gemüt den ganzen Kreis
von Vermutungen, Zweifeln, Absprechungen, die dieser Brief enthält. Hundert Mal
entsagt die prüfende Vernunft den leeren Schattenbildern, und eben so oft fasst
sie das Herz mit wehmütiger Freude wieder auf. O wer kann einer solchen
Aussicht entsagen, ehe er bestimmt weiß, dass sie bloß Täuschung ist! Auch steht
mein Entschluss fest, so bald ich kann, nach Nicäa zu eilen, und mir Überzeugung
zu verschaffen, falle sie nun aus, wie sie wolle. Ich denke bald Erlaubnis zu
erhalten - bis dahin brennt der Boden unter meinen Füßen.
    Der Staatskunst und dem alten Hass ist sein feindliches Werk gelungen. Die
Christenverfolgung ist ausgebrochen. Aber unsre Feinde werden doch nicht
triumphiren. Es werden tausend Opfer fallen, und das Gebäude der Kirche, benetzt
mit dem Blute unzähliger Bekenner, wird sich schöner und fester aus seinem
