 stark, um den
Verlust von Agatokles Liebe, und den Entschluss, dein Anerbieten auszuschlagen,
mit stillem Gleichmut zu ertragen. O es ist mir oft, als wollte es mir die
Brust zerreißen, wenn ich bedenke, was ich gehofft habe, und wie es nun geworden
ist! Zuweilen schweben mir Bilder aus der Vergangenheit vor, zuweilen, wenn ich
das stille Glück betrachte, das Fulvia, die Gemahlin des Lysias, genießt, wenn
ich die Liebe und Achtung bedenke, mit der diese Gatten sich behandeln, die
tausend kleinen Geschäfte des Lebens, die durch Liebe, Zärtlichkeit, Treue und
Aufmerksamkeit so namenlosen Reiz erhalten, und sich mir dann der Gedanke
aufdringt, was ich als Agatokles Gattin hätte werden können - o dann, Junia!
gehört mehr als menschliche Kraft dazu, um nicht zu verzweifeln. Dann bleibt mir
keine Rettung als im Gebete, das oft die Hälfte meiner Nächte einnimmt, und in
Heliodors düster erhabenen Ansichten der Welt und Zukunft. Er reißt mich mächtig
empor, er, der die leidenschaftliche Liebe zu einem Geschöpfe verdammt, während
er sein Leben der Menschheit widmet, er, dem der Landsmann, der Verwandte nicht
näher steht, als der Wilde, für den er eben so willig sein Blut vergisst, er
zeigt mir meine Pflicht in einem wunderbaren, erhabenen kalten Lichte, und so weh
seine Vorstellungen meinem Gefühle tun, so mächtig stärken sie meinen Willen,
und erhöhen meine Kraft.
    Ich habe an Sulpicien geschrieben, mit verstellter Hand, um jeder Entdeckung
vorzubeugen. Ich will mir diesen Weg offen erhalten, um etwas Zuverlässiges von
Kalpurniens Verhältnissen zu erfahren. Sie hat mir geantwortet, ganz so, wie ich
es erwartet hatte; ihre Antwort hat nichts an meinem Entschlusse geändert.
Nächstens werde ich ihr wieder schreiben, ich will es wagen, Kalpurnien unter
einem schicklichen Vorwande um jene Zeichnung bitten lassen, die mir die volle
Gewissheit meines Unglücks gab. Es ist sein Bild. Ach, ich habe sonst nichts von
ihm, und muss das Einzige von meiner Nebenbuhlerin erbetteln! Ach Junia!
    Ist einst dieses Band, wie es Sulpicia selbst zu erwarten scheint, wirklich
geknüpft, verlassen vielleicht die glücklichen Gatten Asien, was doch möglich
wäre, oder hat die Zeit auch die letzte Spur meines Andenkens in seiner Brust
verlöscht - dann komme ich zu dir, dann birgst du mich im Schatten deines
Hauses, und gönnst mir einen Anteil an der Besorgung deines Hauswesens, an der
Erziehung deiner Kinder, deiner Enkel, die bis dahin deine späteren Jahre
verschönern werden, damit mein Dasein nicht ganz nutzlos verschwinde, und ich,
wenn der milde Befreier der gefangenen Seele erscheint, mit dem Bewusstsein aus
der Welt scheide, doch Einem Menschen Etwas gewesen zu sein.
