, die Welt; der unsrige sind
unsere Kinder, unser Haus; jenem gehören ihre besten Kräfte. Wir würden die
Ordnung der Natur verkehren, wenn wir einen ausschliessenden Anspruch an alle
ihre Tätigkeit, alle ihre Empfindungen machen wollten. Wenn nun bei dem großen
Treiben und Regen aller edleren Kräfte des Menschen, im Feld oder in wichtigen
Staatsgeschäften, worin ihn Konstantin braucht, bei der Gewissheit deines Todes,
die ihn fast an den Rand des Grabes brachte, bei den unausgesetzten Bestrebungen
der schönen und schlauen Kalpurnia, einen Eindruck auf sein wundes Herz zu
machen, wenn, sage ich, bei allen diesen Umständen dein Bild nach und nach in
Schatten zurück weicht, kannst du ihn so hart anklagen, so unnachsichtlich
tadeln? Kannst du dir ein großes Verdienst aus deiner festern Treue machen, du,
die ihn am Leben weiß, und die durch keine Zerstreuung, keine Verführung von ihm
abgelockt wird?
    Aus allen diesen Gründen kann ich deinen Plan, dich ihm ganz zu entziehen,
und die Rolle der Verstorbenen fortzuspielen, unmöglich billigen. Wie leicht
kann ein Zufall dein Geheimnis enthüllen? Wie tief müsste es deinen Freund, wenn
seine Hand noch frei ist, schmerzen, diese Entdeckung nicht dir selbst verdankt
zu haben? Und wenn es zu spät wäre - was würde deine und seine Lage sein! Mich
schaudert vor dem Gedanken. Das überlege wohl, meine Geliebte! ehe du auf dem
begonnenen Wege weiter schreitest. Auf mich kannst du jedoch in jedem Fall
sicher zählen, ich werde dein Geheimnis treu bewahren, obwohl ich nicht mit
deiner Ansicht verstanden bin, und sehr wünsche, dich von der Untunlichkeit und
Gefahr dieser Grille - verzeih meiner Freimütigkeit den Ausdruck - zu
überzeugen. Teophania! Du gehst auf einem schlüpfrig steilen Wege. Er kann dich
an den Rand des Abgrundes, er kann dich in den Abgrund selbst führen, und du
stürzest nicht allein hinein, du reissest auch deinen Freund mit dir.
    Wenn du denn aber wirklich für ihn unsichtbar bleiben willst, so entziehe
dich mir nicht, jetzt, wo keine Pflicht dich mehr abhält, dem Rufe der
Freundschaft zu folgen. Komm zu mir! In meinem Hause sollst du so einsam und
verborgen leben, als in der Zelle eines Eremiten. Komm zu mir, und lass mich das
Glück der Freundschaft genießen, das ich so lange entbehrt habe. Du weißt, wie
ich dich liebe, und wie glücklich mich deine Zusage machen würde. Leb' wohl!
 
                           56. Florianus an Valerien.
                                                      Eboracum, im November 302.
Du hast verlangt, dass ich dir antworten soll, Valeria! Es scheint, dass du zu
deiner Beruhigung und zur künftigen Leitung deines Betragens dieser Antwort
bedarfst. Ich erfülle den Wunsch meiner Freundin.
