 So groß wurde sein Abscheu vor
allem, was um ihn her vorging, dass er sich mehr, als jemals, in der Einsamkeit
begrub. Sich zu zerstreuen, lernte er Griechisch, und hätte ein Künstler aus ihm
werden können, so würde es unter diesen Umständen geschehen sein. Doch die
heitere Region der Kunst sollte ihm ewig verschlossen bleiben. Anstatt sich von
den Schlacken der Aristokratie zu reinigen, wurde er trübsinnig und
schwermütig; und wie konnte dies ausbleiben, da von allem, was er geahnt
hatte, das Gegenteil erfolgte und sein ganzes System über den Haufen geworfen
wurde? Nach einem achtjährigen Aufenthalte in Frankreich kehrte er nach Florenz
zurück, wo die Gräfin d'Albania unterdessen gestorben war. Hier lebte er seitdem
zerbrochenen Herzens als ein von seinen Idealen Verlassener. Hat er nicht selbst
die Dauer seines Lebens abgekürzet, so ist er wenigstens nicht ungern gestorben.
Wenige Menschen haben im Kampfe mit sich selbst mehr gelitten. In einem Sonnet,
das ich sorgfältig aufbewahre, weil er es zu einer Zeit machte, wo er mit sich
selbst höchst unzufrieden war, redet er sich also an:
                           Uom, sei tu grande, o vil?
Und seine Antwort ist:
                               Muori; il saprai.
Aber der unglückliche Mann ist nie hinter das Geheimnis gekommen, das ihn einzig
beschäftigte; denn nie konnte er seiner Verwirrung Meister werden; sie musste ihn
töten. Ich habe oft gedacht, dass Alfieri in jenen Zeiten, wo das Feudalwesen in
seiner Blüte dastand, ein herrlicher, hoch hervorragender Mann gewesen sein
würde. Nicht die Feder, sondern Lanze und Schwert waren ihm, allen seinen
Anlagen nach, vom Schicksal beschieden; sein großes Unglück war dass seine
Existenz in Zeiten fiel, wo sich von beiden kein Gebrauch mehr machen lässt.
Sanft ruhe seine Asche; sie ruhe um so sanfter, weil alle Stürme, die sein
Dasein zerrütteten, innere Stürme waren, deren Wut sich nicht beschwichtigen
ließ. Selbst Bonaparten, der das Problem der französischen Revolution so
vollständig gelöst hat, musste Alfieri hassen, weil er nicht an seiner Stelle
war.
    Gleich bei der ersten Bekanntschaft fühlte ich mich unwiderstehlich an
Eugenien angezogen. Es war ihre Physiognomie, was mir die Versicherung gab, dass
wir Freundinnen werden könnten; und da dieser Bürge sich in diesem, wie in jedem
anderen Falle, bewährt hat, so so seh' ich mich genötigt, hier einen Teil
meines Systemes in Ansehung freundschaftlicher Verbindungen zu enthüllen. Ich
werde von der einen Seite sehr viel Mühe haben, mich deutlich zu machen, und von
der andern, gegen alle meine Neigungen, zu einer (wenn gleich kurzen)
Dissertation über das Verhältnis der Physiognomie zur Freundschaft hingerissen
werden. Allein ich muss mich jener Beschwerde und diesem
