 uns aus dem Schwerpunkt
hebe, worin wir gegenwärtig stehen. Ich fürchte sie nicht, und überlasse es
kurzsichtigen Toren ihren Eintritt zu bejammern. Die Stützen meines Mutes sind
diese sieben unfruchtbaren Hügel, welche so viele Jahrhunderte hindurch
unendlich mehr stützten.«
    Ich habe hier alles zusammengefasst, was ich über die Römer zu bemerken
hatte, damit ich ungestörter in meiner Erzählung fortschreiten möchte. Sowohl
die Herzogin als die Gräfin d'Albania wurden sehr wenig von den Menschen um sie
her berührt; die erstere, weil sie nur nach der Weihe strebte, welche die Kunst
verleiht, die letztere, weil sie sich durch den Umgang in dem Fluge gehemmt
fühlte, den ihre Einbildungskraft zum Universum genommen hatte. Fleissig wurden
die Tempel der Kunst besucht, deren Rom so viele hat; aber verschieden waren die
Eindrücke, welche die Schöpfungen der auserlesensten Geister auf uns machten.
Die Gräfin d'Albania begrüßte sie als Jugendgespielen, an welche wir uns selbst
dann noch hingezogen fühlen, wenn wir in unserer Entwickelung weit über sie
hinausgegangen sind; sie war seit vielen Jahren mit ihnen vertraut, da sie aber
ihrer Bildung zum Grunde lagen, so konnten sie nicht mehr in dieselbe
eingreifen. Die Herzogin trat in die Sixtinische Kapelle, in welche wir zuerst
geführt wurden, mit der holden Verwirrung einer Jungfrau, die sich plötzlich in
einen Kreis wunderschöner Jünglinge versetzt sieht; errötend starrte sie hin
auf die dem Pinsel entquollenen Gestalten, als ob alle diese Bilder von jeher in
ihrer Seele gelegen hätten, ohne dass ihr die Kraft geworden, sie selbst zu
erzeugen. Was mich selbst betrifft, so empfand ich zwar das Außerordentliche
dieser Schöpfungen; allein sie übten keine anziehende Kraft an mir aus, es sei
nun, weil der Verstand in mir den Ausschlag über die Einbildungskraft gab, oder
weil Vittorio Alfieri's Geist stärker auf mich eingewirkt hatte, als ich mir
selbst gestehen mochte; wenigstens muss ich bekennen, dass ich mich oft
instinktmässig nach ihm umsah, um sein Urteil zu erfahren.
    Diese verschiedene Empfänglichkeit für die Wunder der Kunst führte zu
eigentümlichen Entwickelungen. Während die Gräfin darüber hinaus war, und ich
dahinter zurückblieb, ging die Herzogin darin unter. Eine längere Zeit hindurch
schwankte sie zwischen verschiedenen Meistern hin und her; ihr Zustand konnte
eine ästhetische Betäubung genannt werden, so wie die Allgewalt des Schönen ihn
erzeugen muss. Als sie sich aber nach und nach wieder sammelte und mit Bewusstsein
zu empfinden begann, da erklärte sie sich mit allem, was in ihr war, für Raphael
. Nie hat eine reinere Seele diesem unsterblichen Meister feuriger gehuldigt.
Sie wurde nicht müde, seine Werke zu betrachten, und seine Schöpfungen
verdrängten aus ihr alle anderen Bilder, von welcher Art sie auch sein mochten.
Hab
