 wir keine solche Regierung
haben, und auch alle übrige Bedingungen geradezu wegfallen; so sind wir nicht
moralisirt, aber wir sind Römer, und, was man auch zu unserem Nachteil im
Auslande sagen mag, unseren großen Vorfahren bei weitem mehr verwandt, als die
Kurzsichtigkeit es begreifen kann. Was unsere Vorfahren durch eine mit
physischer Gewalt verbundene List vollzogen, das vollziehen wir durch die reine
List. Die römische Universalmonarchie hat deshalb noch nicht aufgehört, weil es
keine römische Imperatoren mehr gibt; die Bande, durch welche die Welt an Rom
gefesselt ist, sind nur geistiger geworden. Wollen Sie leugnen, dass dies große
Eigenschaften von Seiten der Römer voraussetze? Der würde ein Tor sein, der
unseren gesellschaftlichen Zustand als Muster empfehlen wollte; wer ihm aber
alle Kraft abspricht, der versündigt sich an der Wahrheit. Das staatsbürgerliche
Elend, das hier vielleicht größer ist, als in irgend einem anderen europäischen
Staate, muss vorhanden sein, damit es einzelnen Menschen gelinge, über die ganze
Menschheit hervorzuragen. Das Wesen eines Römers ist auf ein ungemeines Maß von
Kraft berechnet. Wer im Besitze desselben ist, der emergirt, und muss als ein
Repräsentant der Römerheit betrachtet werden; wer es nicht ist - nun der gehört
zum Pöbel, zu den Lastträgern der Gesellschaft. Von einem höheren Standpunkt aus
betrachtet, ist die Kraft immer dieselbe, und der Unterschied besteht nur in der
temporellen Richtung, die sie genommen hat. Dasselbe Individuum, dass Sie heute
als Bildhauer oder Maler in seiner Werkstätte bewundern, ist vielleicht nach
acht Tagen ein Kardinal, und als solcher nicht minder bewundernswert. Jene
Universalität, welche zu jedem ausgezeichneten Lebensgeschäft geschickt macht,
finden Sie nur in dem Römer; und man möchte sagen, sie sei ihm angeboren, so
bestimmt geht sie aus seinem ganzen Wesen hervor. Anderwärts zerquetschen
staatsbürgerliche Klemmen tausend und aber tausend Kräfte; hier ist dies nicht
der Fall, weil die Idee des Rechts uns fremd ist, und wir gewissermaßen
fortgesetzt im Zustande der Natur leben. Wer dem anderen ein Bein unterschlagen
kann, hat auch die Befugnis dazu, und niemand frägt, ob er ungrossmütig
gehandelt habe. Jeder will der Erste sein; jeder sich zum Mittelpunkt machen. Er
tue es auf seine Gefahr; gelingen kann es ihm immer nur in sofern, als er allen
Übrigen zusammengenommen gewachsen ist. Möglich, dass unser Wesen in der
Folgezeit sehr bedeutend abgeändert wird; aber so lange Rom das Zentrum der
Teokratie bleibt, wird es auch Römer geben, und überall begreife ich nicht, was
den Römer aus der Welt verbannen könnte, da sein Wesen nicht an eine einzelne
Form gebunden, sondern immer in der Kraft gegründet ist. Es ist vielleicht sogar
wünschenswert, dass irgend eine Revolution erfolge, die
