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einem so prosaischen Prinzen, als ihr Gemahl war, das Meiste dazu beigetragen.
Zwischen beiden fand eben das Verhältnis statt, welches mehrere Jahre hindurch
die Herzogin gedrückt hatte; und da die Unmöglichkeit einer Trennung aus
staatsbürgerlichen Gründen für die Gräfin eine unwiderstehliche Gewalt erhalten
hatte; so war ihr nichts anderes übrig geblieben, als die freieren Sitten
Italiens zu einer Verbindung zu benutzen, welche ihrem ins Unendliche
hinstrebenden Geiste zwar eine Stütze gewährte, allein doch bei weitem mehr
versprach als wirklich leistete.
    Der Mann, mit welchem die Gräfin in Verbindung stand, war der Graf Vittorio
Alfieri d'Asti, ein Piemontese, dessen Tragödien in Deutschland jetzt bekannter
zu werden anfangen. Nie hab' ich einen Sterblichen kennen gelernt, der mir das
Bild, das ich mir immer von dem jüngeren Brutus, dem Mörder Cäsars, entworfen
habe, getreuer repräsentirt hätte. Ich kann mit Wahrheit sagen, dass er ein Römer
im höchsten Sinne des Worts war; eine Natur, wie man sie in unseren Zeiten gar
nicht mehr erwarten sollte. Eine lange, hagere Gestalt, bewegte er sich langsam,
mit starrem, auf die Erde geheftetem Blick. Sein Gesicht war blass, seine Lippen
fein und geschlossen, seine Zähne weiß und scharf, seine Nase regelmäßig
gebildet, seine Augen dunkelblau, seine Stirne groß, aber schön gewölbt. In
seiner Miene lag neben unbegränztem Wohlwollen eine Wut, die auch das Äußerste
nicht scheuet; und dies war so ganz der Charakter seines Gemütes, in welchem
die sanftesten Empfindungen neben den allerheftigsten bestanden. In seinem
Geiste flossen die Geister des Tacitus, Macchiavelli und J. J. Rousseau
zusammen. Wie in einem der edelsten Römer aus den besten Zeiten der Republik,
war in ihm Alles auf das Politische hingerichtet. Er hatte keinen Begriff davon,
wie die Poesie sich selbst Zweck sein könnte; und darum wollte er ihr einen
politischen Zweck geben. Alle Monarchien der Welt zu stürzen, darauf arbeitete
er in seinen Trauerspielen hin, und ohne diesen Zweck würde er es nicht haben
über sich erhalten können, eine Feder anzusetzen. Gewissermassen war dies der
böse Dämon der ihn trieb; aber er war weit davon entfernt, ihn dafür
anzuerkennen, und würde wütend geworden sein, hätte man einen Versuch gemacht,
ihm das Falsche seiner Idee zu zeigen. Was man gemeiniglich unter einem
Aristokraten versteht, gibt nur eine schwache Idee von seinem Wesen, und ich
sage nicht zu viel, wenn ich behaupte, dass er die Repräsentation der
Aristokratie in der höchsten Potenz war, gerade so, wie jeder alte Römer,
nachdem die Universalherrschaft errungen war. Was er ewig bedauerte, war, in
diesen elenden Zeiten geboren zu sein, die keinen freien Aufflug durch Taten
gestatteten, und in dem
