, so wie
es am Hofe getrieben wird, ist ein pis aller; weil es unmöglich ist, eine große
Gesellschaft auf eine edle Weise in Tätigkeit zu setzen, so hat man diesen
Ausweg erfunden, sie nicht ganz unbeschäftigt zu lassen. Ohne Spiel würde man in
den Hofzirkeln von der Langeweile zu Tode gemartert werden, und jeder den Hof
fliehen; eben deswegen aber muss jeder, der dem Hofe keine Schande machen will,
sich auf das Spiel verstehen.« Allein, wie ich mich auch stacheln mochte, ich
kam in der Sache selbst nicht weiter; ich war und blieb zerstreut, verlor mein
Geld, und würde gern das Doppelte verloren haben, wenn ich nur hätte dispensirt
bleiben können. Endlich schlug sich der Fürst selbst großmütig ins Mittel; und
indem er erklärte, dass es künftig immer von mir abhängen sollte zu spielen oder
nicht zu spielen, fand ich in meiner Abneigung von dem Spiele den Keim zu einer
seltenen Tugend, die ich genauer analysiren muss.
    Wie ich sie nennen soll, weiß ich nicht; ihrem Wesen nach aber bestand sie
darin, dass, indem ich für alle Nichtspielenden die Gesellschaftsdame machte, ich
die in der Tat nicht leichte Kunst lernte, mich mit allen Menschen, wenn ich
mich so ausdrücken darf, zu ihrer und meiner Zufriedenheit aus einander zu
finden. Es war zuletzt die Langeweile, die mich zur Unterhaltung hintrieb; aber,
indem ich diesem Stosse folgte, abstrahirte ich sehr bald, dass man, um mit Erfolg
zu unterhalten, so wenig als möglich von dem Seinigen geben, und so viel als
möglich von dem Fremden empfangen müsse. In wenigen, sehr bestimmt ausgedrückten,
das Individuum, welches man vor sich hat, tief ergreifenden Fragen muss die Kraft
enthalten sein, nicht nur Mitteilung überhaupt, sondern auch diejenige Art der
Mitteilung zu erzwingen, welche den sämtlichen Verhältnissen des Hofes
entspricht. Die Fragen an und für sich würden nichts bewirken, wenn sie nicht
unter solchen Wendungen gemacht und von solchen Manieren begleitet wären, dass,
während das Gemüt in den Fesseln des Fragenden einhergeht, der Geist in
Freiheit gesetzt wird. Vor allen Dingen kommt es darauf an, den Stolz, der in
der Frage selbst liegt, so zu verschleiern, dass er gar nicht sichtbar wird. Eine
Kunst, auf welche sich nur sehr Wenige verstehen, die aber, wenn ich nicht irre,
das Criterion der gesellschaftlichen Bildung ist. Das ganze Manövre, welches man
in dieser Hinsicht macht, setzt den allerschnellsten und feinsten Takt voraus;
denn der kleinste Fehlgriff zerstört das Werk, weil man sogleich aus der
Stellung gehoben wird, in welcher man sich notwendig befinden muss, um Anderen
die Täuschung zuzuführen, dass man nur mit ihnen beschäftigt sei.
