 anderes übrig blieb? Fünf und zwanzig Jahre alt,
befinde ich mich in dem Wechselfall, entweder Civildienste zu nehmen, oder auf
meine Güter zu gehen, wenn ich durchaus nicht Soldat werden soll. Civildienste -
wohin können sie fuhren? Meiner Berechnung nach nur zur Erbärmlichkeit. Jedes
einzelne Geschäft, das man als Civilbeamter betreibt, vorausgesetzt, dass man
nicht an der Spitze eines Departements steht, ist zuletzt nichts weiter, als
eine anständigere Art von Besenbinderei, die, wie gut sie auch remunerirt werden
mag, den inneren Menschen tötet, indem sie den Staatsbürger belebt. Soll ich
Prozesse instruiren, oder Landesverordnungen entwerfen, oder Kammerherrendienste
tun? Meine Kraft würde mich von jedem Subalternposten, den man mir geben
könnte, verdrängen. Ich habe nicht Atem genug, die lange Dienstcarriere zu
ertragen. Mich interessiert das in einander greifende staatsbürgerliche Leben,
aber nur im Großen, nicht im Kleinen; um das Detail lieb zu gewinnen, müsst' ich
vor allen Dingen meinem ganzen Wesen entsagen, d.h. aufhören, ein Edelmann zu
sein. Wahr ist, ich könnte mich auf meine Güter begeben und Herrscher in meinen
eignen Staaten sein. Aber zu welchem Zweck? Meine Vorfahren haben genug
erworben, um mich zufrieden zu stellen. Ich will erhalten, was auf mich vererbt
worden ist; aber ich will es weder vermehren, noch ängstlich darauf bedacht
sein, Schätze zu sammeln. Kommt Zeit, kommt Rat. Fürs Erste will ich mich zum
Bewusstsein meiner Existenz erheben; und da dies nur im Felde möglich ist, so
will ich in den Krieg ziehen. Mich lockt dazu vor allen Dingen die Größe des
Helden, der unbezwungen gegen ganz Europa ankämpft. Je kritischer seine ganze
Lage ist, desto stärker ist mein Beruf, ihn mit meinen Kräften zu unterstützen.
Ich werde keinen materiellen Vorteil davon haben, das weiß ich vorher; aber es
wird mich in Atem setzen, und das ist mir genug. Werd' ich meinen Wünschen
gemäß angestellt, so komme ich in seine Nähe und finde Gelegenheit, den größten
Charakter unseres Jahrhunderts zu studieren. Und was will ich mehr? Der Rückzug
auf meine Güter steht mir immer offen. Trete ich ihn nach einigen Jahren an, so
habe ich, bis dahin wenigstens, mein Leben hoch ausgebracht und mich mit
seltenen Erfahrungen bereichert. Diese Gründe, meine Teure, haben mich
bestimmt. Sollten Sie etwas dagegen einzuwenden haben?«
    Meine Antwort auf diese Frage war: »Sie haben sich, mein edler Freund, durch
diese Analyse vor sich selbst zu rechtfertigen gesucht; aber ich glaube nicht,
dass es einer solchen Rechtfertigung bedarf. Es war genug, dass Ihr Gemüt so
entschieden hatte. Friedrichs Wesen umschließt alles, was Sie groß
