 in der Nähe von W... das Gut zu
kaufen, das wir noch immer bewohnen.
    Seit dieser Zeit leben wir in unserer eigenen Welt, hinlänglich geschieden
und hinlänglich berührt von unserer Umgebung, um in voller Freiheit zu
existieren. Unsere Sorge ging gleich Anfangs dahin, das Nützliche dem Schönen so
unterzuordnen, dass dieses ein hinreichendes Fundament in jenem erhielte; und
dies ist uns über alle Erwartung gelungen. Unser Gütchen ist der Wohnsitz der
Reinlichkeit, der Ordnung, der Bequemlichkeit und Gastfreundlichkeit; und in
sofern diese Schöpfung von uns ausgegangen ist, macht sie, hoff ich, unserem
Verstande keine Unehre. Die Angelegenheiten der Wirtschaft sind unter uns so
geteilt, dass jede von uns ihren eigenen Wirkungskreis hat, ohne gleichwohl
dadurch so beschäftigt zu sein, dass wir außer Stande wären, uns im Notfall zu
ersetzen; denn wir haben das Geheimnis aufgefunden: Alles so zu ordnen, dass es
nur eines leichten Impulses bedarf, um das Ganze im Gange zu erhalten. Den
Frieden neben die Tätigkeit zu stellen, dies ist die große Kunst bei allen
Organisationen; und diese Kunst ist von uns ausgeübt worden.
    Wir würden noch immer glücklich sein, wenn wir auch ganz von der Welt
getrennt lebten. Dies ist aber nicht der Fall; wir leben vielmehr mitten in der
Welt. Es kam darauf an, eine solche Stellung zu gewinnen, dass wir von dem
Geräusch um uns her nur gerade so viel berührt würden, als sich mit der
Bestimmung vertrug, die wir uns selbst gegeben hatten. Zu diesem Endzweck
konnten wir uns nur dem Umgange solcher Personen hingeben, die wirklich zu uns
passten; allein, indem wir in dieser Hinsicht so klug als vorsichtig waren,
brachten wir es dahin, dass wir die ganze Welt durch wenige Personen in einem
kurzen Auszuge um uns herstellten. Wer sich mit dem Volumen befasst, wird davon
erdrückt; wer hingegen Verstand genug hat, nur nach der Quintessenz zu streben,
behält seine ganze Freiheit und wird durch die höchsten Genüsse belohnt.
    Durch Sie, mein teurer Cäsar, wurde ich von neuem in die deutsche Literatur
eingeweiht, die mir seit vielen Jahren fremd geworden war; und dafür danke ich
Ihnen, wenn es eines Dankes bedarf. Ich habe mich überzeugt, dass die Deutschen
in jeder Kunst und Wissenschaft seit ungefähr dreißig Jahren Riesenschritte
gemacht haben; und weit entfernt, an einen nahen Stillstand zu glauben, erwarte
ich vielmehr von der Zukunft noch glänzendere Perioden. Mag doch die große
Mehrheit der Schriftsteller in gar keine Betrachtung kommen; dies verschlägt
demjenigen nichts, welcher einsieht, wie notwendig sie sind, um einen
ausgezeichneten hervor zu bringen. Auch das Gold erzeugt sich nur in Bleistufen;
und wer verlangt es, dass kein Blei existieren soll
