, gerade wie der Traum, zu uns heraufdringen, und dann wieder lange Zeit
hindurch schweigen. Ich habe in ähnlichen Stimmungen viel gedichtet, aber es war
so lose und unzusammenhängend, dass es dem Gedächtnis entfiel, und ich darüber
die schönsten Erinnerungen einbüsste. Ich verlor mich dann auch wieder in große
Städte, bei festlichen Aufzügen, Versammlungen, überall, wo ich dich zu finden
hoffte. Gesang und Musik verschafte mir leicht Zutritt. Dies sind Bande, die
überall die Menschen vereinen. Es ist wohl sicher Gottes Stimme, die Niemand
überhört. Viele reden freilich mehr davon, als sie empfinden; aber es geht ihnen
damit, wie mit der Tugend. Sie ahnen ihre Göttlichkeit, und möchten sie doch zum
Scheine lieben, und ohne dass sie es glauben, werden sie, wenigstens für
Augenblicke, durch sie bezwungen. Wie viel kalte Herzen sah ich durch die Gewalt
der Töne erweicht und belebt, die sich dann wohl wieder verschlossen, aber doch
eine Sehnsucht nach jenem seligen Vergessen ihrer einengenden Rücksichten
behielten. So habe ich den Kardinal, und durch ihn dich gefunden. Wie,
unterbrach ihn Rodrich, diese Hand hätte dir den Weg zu mir gebahnt? Ich weiß
nicht, erwiderte jener, wie es kam, dass mich sein kalter Blick nicht schreckte,
und ich darein willigte, ihn hieher zu begleiten. Mich bestimmte weder ein
lebhafter Gedanke an dich, noch irgend eine andre Hoffnung. Ich gab mich dem
Schicksale ganz rücksichtslos hin, da mir überdies alles gleich unwichtig
schien, so lange du mir fehltest. Ach und sieh, die Menschen denken und sinnen,
erwägen und messen, und am Ende tun sie doch auch nichts anders, als sich
gläubig in Gottes Arme werfen. Es gibt immer einen Punkt, wo die menschliche
Klugheit nicht zureicht. Zuweilen ahnen wir ganz dunkel, dass diese uns überall
missleiten könne, und werfen uns getrost in das offene Meer des Lebens. Wie
töricht das auch von fern aussieht, so ist es dennoch schön, dass man sich
überall gehalten fühlt. Mein Kardinal war wohl ein trocknes Reis, aber es hielt
mich dennoch, und ich kam bis zu dir. Wer möchte auch über die Mittel rechten,
die uns die Vorsehung sendet! Fürchte übrigens nicht, fuhr er fort, als Rodrich
gedankenvoll vor sich hin sah, dass mich irgend ein Band an ihn kettet. Ich habe
immer die Freiheit über alles geschätzt. Beschwerden achtete ich nie,
Bedürfnisse kenne ich nicht, was sollte mich daher fesseln, wenn es nicht die
unendliche Liebe ist, die ich von jeher zu dir im Herzen trug. Wie kam es aber,
sagte Rodrich, noch immer das Bild des Kardinals festhaltend, dass ihr euch
traft? Süd und
