 brennende Frage
zu beantworten, sonst erschöpft sich der gereizte Wille in zwecklosen
Ausbrüchen, die oft den werdenden Helden in ihren engen Schranken begraben.
Lösen Sie die Fesseln. Das Schicksal gab Ihnen viel, machen Sie sich alles zu
eigen. Es ist Weisheit, das Höchste aufs Spiel zu setzen, um das Höchste zu
gewinnen. Das Schwert werde eine Flamme in Ihrer Hand, vor der sich Freund und
Feind beuge. Schwanken Sie nie, denn es gibt auf Erden nichts Herrlicheres, als
einen Thron frei zu machen und das erkannte Recht behaupten.«
    Rodrich faltete das Blatt, ohne etwas Bestimmtes zu denken. Der ernste Zuruf
erschütterte ihn! Es war, als dränge ihn das Schicksal mit Gewalt zu einem
unbekannten Ziele. Tausend verworrene Ahnungen trieben ihn unsicher umher.
Endlich lösten sich die innern Nebel. Er glaubte Miranda's Stimme in jenen
Worten, ohnerachtet ihrer strengen Heftigkeit, nicht zu verkennen. Durch sie
ward ihm des Himmels Wille kund, und seine früheren stolzen Hoffnungen
gerechtfertigt. Zu sich hinauf wollte sie ihn heben, durch die innere Kraft
seines Willens! Was lag darin auch Unerhörtes? Sagt nicht die Geschichte aller
Völker, dass von jeher ein kühner Flug die armselige Stufenleiter zwerghafter
Wünsche hinter sich ließ? Das Außerordentliche tritt die gemeine Ordnung nieder,
und eine neue Folgereihe beginnt von dem lichten Punkt, den ein kräftiger Geist
über der Erde heraufführt. Der Krieg bahnt dahin den Weg. Hier verschwinden
hergebrachte Verhältnisse vor der überwiegenden Gewalt einer großen Seele, die
sich in Feuerströmen ergiessend, alles wie Gottes Zorn mit sich fortreisst. Darauf
deuteten auch die Worte des Briefes, und doppelt war der Sinn zu nehmen, in
welchem der Thron befreit werden sollte. Musste die königliche Natur nicht
fühlen, dass sie zum Herrschen geboren, dass sie bestimmt sei, das Wohl der
Menschen, wenigstens über die zu verbreiten, die ihr so nahe gerückt waren? Und
sagte ihm jene Umarmung nicht, dass er es sei, den sie würdig hielt, ihr zur
Seite zu stehen? Er schlug das Blatt noch einmal auseinander, und las immer und
immer wieder, was ein leidenschaftliches Verlangen schon bei weitem früher in
sein Inneres grub.
    Während dieser Betrachtungen hatte er Miranda oftmals laut genannt. Wie,
sagte endlich Florio, jene Heilige, zu deren Füßen ich dich gestern fand, hätte
diese Worte zu dir geredet? Warum nicht, fiel Rodrich schnell ein, glaubst du,
sie sei nicht reich genug, alle Herrlichkeiten der Welt zu umfassen? Ein Auge,
das in die Himmel dringt, will ihren Glanz auf Erden erblicken, und soll sie den
heiligen Zorn weniger als die Liebe verstehen? Kann sie den Frieden ohne den
Krieg wünschen? oder glaubst du, sie gehöre
