 Er hob bei diesen Worten ein
schäumendes Champagnerglas in die Höhe und rief mit freudigen Blicken: gute
Zeiten und lebendiger Mut! Alle stießen an, und der Ritter sagte bewegt: wir
verstehen einander dennoch. Solche, die das Schwert und die höhere
Vaterlandsliebe verbindet, sollten eigentlich nie über Ehre streiten. Sie sind
in der Hauptsache gewiss einig. - Dies fiel wie ein Blitz in Rodrichs Seele, das
war der ungekannte Magnet, der ihn in die Welt zog. Darum hatte er im Kloster
nur Augen und Sinn für den Erzengel Michael; darum saß er Stunden lang vor dem
Bilde und zeichnete mit unsichrer Hand die kräftigen Züge, bis es ihm gelang und
Alle über die Geschicklichkeit des Knaben staunten. Jetzt war es, als träte er
vor ihn hin, gewapnet, mit fliegendem Haar und eingelegter Lanze, das breite
Schwert an der Hüfte, wie die alten Götter über die Erde hinschreitend. Seiner
nicht mehr mächtig, rief er: Alle gute Geister verbinde das Schwert! - Bravo!
sagte der Offizier, und flog auf ihn zu. In Ihren Augen glüht etwas, das mit
früher verkündete, wie Sie Pinsel und Palette wohl am längsten würden geführt
haben. Kommen Sie nur, der Wein erschliesst die Herzen, und der Mann darf dem
Manne ein freies Wort sagen.
    Sie waren bei diesen Worten in ein abgelegnes Zimmer getreten. Der Ritter
hatte sich zu ihnen gesellt, und alle drei setzten sich in eine kleine Nische.
Den perlenden Wein zwischen hellen Kerzen vor sich auf einem Tischchen, hub der
Ritter an: Solche Momente sind die heiligsten, wo der innere Lebensblitz,
plötzlich angefacht, einen flüchtigen Schein auf die dunkle Zukunft wirft, und
ein prophetischer Laut uns die ganze Welt offenbart! - Sie wissen, erwiderte
der Offizier, ich halte in der Regel wenig von jenen mystischen Anklängen und
Offenbarungen. Dass uns das Regen einer lichtellen Vernunft so oft nur dunkle
Ahnung bleibt, liegt darin, dass der Mensch überall wenig auf sein Inneres
achtet, die verworrenen Strebungen selten scharf und bestimmt auffasst und mit
Besonnenheit vor sich hinstellt. - Ach, sagte Rodrich, der beleuchtende Verstand
tritt das Lebendigste im Menschen nieder. Ich habe das wohl in der Kunst
erfahren, und weiß, wie das Gelungenste aus dem augenblicklichen Zusammenfallen
von Gedanken und Tat entsteht. Auch im Leben will sich mir das so bewähren.
Jene, fast bewusstlos herausgestossenen, Worte, haben mir zwei Freunde gewonnen,
zu denen ich endlich einmal aus voller Seele reden darf. - Wenn Ihr Gefühl Sie
nie auf schlimmere Wege führt, sagte der Offizier, so folgen Sie ihm nur
getrost. - Ja wohl, setzte der Ritter hinzu. Es ist nicht das Schlechteste im
Menschen, dass er sich so
