 Zustand, der ihn aufs neue aus seiner kaum gewonnenen Ruhe
aufschreckte.
    Am folgenden Morgen trat er, mit den Aufträgen des Grafen versehen, seine
Reise in aller Frühe an. Als er durch die einsamen Straßen ritt, wo schon längst
kein Wagen mehr rollte, und die laute Freude zu stilleren Genüssen flüchtete,
blickte er wehmütig auf die armen Menschen, die das drängende Bedürfnis schon
wieder zu dem mühseligen Tagewerk jagte und deren ärmliches Ansehen wunderlich
gegen die Pracht der Gebäude abstach. Er fühlte sich leichter, als ihn sein Weg
endlich an den Gärten vorüberführte, und die wohlhabenden Besitzer den Reichtum
überschauend, seinen Morgengruß im behaglichen Wohlsein erwiederten. Je weiter
er kam und die blühende Ebene sich vor ihm auftat, je freier ward ihm um's
Herz, und wie sein Pferd lustig forttrabte, und die Morgenluft ihn so
erfrischend anwehete, fühlte er sich zu jedem Geschäfte freudig gestimmt. Er sah
recht, wie er tätig in's Leben eingreifen und die träge Ruhe von sich
verscheuchen müsse.
    Alles, was ihn in dieser Zeit gedrückt, alle Fieberschauer, die seine
kränkliche Heftigkeit entzündet hatten, alles schwand vor dem hellen heitern
Leben der Natur. Im freiesten Spiel seiner Kräfte sagte er froh: unter steter
Anstrengung, muss der Mensch den Genuss des Augenblicks erringen! Was sich ihm so
ungesucht aufdringt, und während es den Sinnen schmeichelt, die lebendigste
Kraft gefangen nimmt, das widersteht dem Übersättigten, und die innere Lust
erkrankt in trüben Bildern. Sich so recht in die wogende Flut zu tauchen, zu
wagen und zu wirken, die verschlossenen Quellen des Lebens zu eröffnen und im
Fluge das Glück zu erhaschen, das zog ihn unwiderstehlich in die Welt, das
reizte ihn zum freudigen Kriegerleben. Und jetzt erweiterte sich so ungehofft
der beschränkte Kreis seines Wirkens. Die ersten Schritte waren getan, und er
sah in Gedanken die reiche, gehaltvolle Zukunft. Was konnte nicht alles
geschehen, wenn der rechte Ernst die Herzen entflammte, die oft bei einer
flüchtigen Anregung kräftig schlugen. Jede bessere Aufwallung seiner Kameraden
kam ihm jetzt ins Gedächtnis. Er liebte sie alle, seit er hoffen konnte, an
ihrer Seite zu fechten und die gleiche Lust und Gefahr mit ihnen zu teilen.
Selbst an Stephano konnte er ohne Bangigkeit denken, und es reuete ihn fast, ihn
diesen Morgen nicht aufgesucht und durch einen freundlichen Abschied den
störenden Eindruck des gestrigen Gesprächs ausgelöscht zu haben. So wohlwollend
hatte er noch nie auf die Menschen geblickt, die ihm alle in dem erheiterten
Sinn gut und liebreich erschienen.
    So ritt er, durch freudige Bilder fortgezogen, immer schneller und
schneller, als ihm sein Diener eine schön gebauete Kapelle zeigte, die sich
hinter dunklem Gebüsch auf einem Hügel erhob. Die Sonne
