 wolle, und er schwankte, ob er diese
Offenheit nicht durch die freieste Hingebung vergelten, und jedes Missverständnis
lösen müsse, als eine Botschaft des Grafen ihn eilends dahin abrief.
    Er hatte dem edlen Beschützer lange nur die gewohnte Achtung gezeigt, zu
welcher sein äußeres Verhältnis ihn zwang, ohne ihm die dankbare Liebe zu
beweisen, die in den ersten Augenblicken sein Herz erfüllte. Er schämte sich
jetzt, vor ihm zu erscheinen, und trat mit einiger Verlegenheit in dasselbe
Zimmer, wo er das Schwert und die heilige Weihe seines Standes empfing. Der Graf
trat ihm, wie damals, heiter entgegen, und sagte nach den ersten Begrüßungen:
junger Freund, Sie wissen, ich lasse jeden seinen Weg gehen, ohne dass es mir,
selbst bei denen die mir näher sind, einfiele, das Schicksal spielen, und ihnen
eine eigenmächtige Richtung geben zu wollen, indessen glaube ich ohne Anmassung
sagen zu können, dass mir der Ihrige nicht gefällt. Der innere Missmut leitet sie
abwärts, mit halbem Herzen tut man auch nur das Halbe, und der Soldat braucht
mehr als ein Anderer frischen Lebensmut, um sich selbst anzugehören. Das
Gewöhnliche darf ihn nicht ermüden, weil es zu dem Ausserordentlichen führt; und
wo die rechte Lust und Heiterkeit nicht obenauf schwimmen, da wird der Bodensatz
des Gemeinen die schwerfällige Kraft bald erdrücken. Auch im Kriege ist es nicht
viel anders. Das Seltene und Große läuft einem auch hier nicht bei jedem Schritt
entgegen, und muss man sich oft durch langweiliges, mühseliges Harren
hinschleppen, ehe der erste Augenblick eintritt. Freilich, setzte er beruhigend
hinzu, als Rodrich beschämt zur Erde sah, freilich bedarf der Eine einen größeren
Wirkungskreis als der Andere, und so wird Sie die nahe Aussicht des Krieges
freuen! Des Krieges? fragte Rodrich, aus allen drückenden Gefühlen plötzlich
emporgerissen. O mein edler Wohltäter, Sie sollen mich noch freudig in Ihre
Arme schließen, und es nicht bereuen, den Jüngling großmütig beschützt zu
haben, der alle Glut eines lebendigen Lebens der Ehre und der Dankbarkeit
weihete. Wann und wohin ziehen wir? fragte er mit verlangenden Blicken. So weit
sind wir noch nicht, erwiderte der Graf lächelnd. Es ist nur von der Aussicht,
nicht von der Gewissheit des Krieges die Rede; eine größere Macht bedroht die
Selbstständigkeit des Staats, der Herzog kennt die Würde seines Namens und ehrt
sein Volk. Er ist zu jedem Widerstande bereit. Wir erwarten nur das Ende einer
Unterhandlung, deren Zweck abzusehen ist, um dem Feinde entgegen zu gehen. Die
Grenzregimenter haben bereits geheime Ordre sich marschfertig zu halten, und ich
werde Sie mit Aufträgen zu einem unsrer Generale schicken, der bei der jetzigen
Lage der Dinge einen bedeutenden Posten hat. Er
