 nach einem Wiederschein von außen
sehnt. Auch für Sie, sagte die Gräfin lachend, ist es genug, dass man den
nordischen Dichter liebt, um etwas Edles in dieser Vorliebe zu finden! Gewiss,
erwiderte er, sind es nur befangene Menschen, die sich in ihm so wenig als in
der reichen Gestaltung der Natur finden können. Das Nationale der
Farbenmischung, so wie alles dasjenige, was dem Zeitmoment angehört, sollte
billig für Niemand eine Störung sein, der die mannichfache Bedeutung der Natur
aufsucht. Und wie Shakespear auch in der bloß äußern Darstellung frühere
Zeitalter verstand, wie südliche Glut in ihrer höchsten Fülle, in der zartesten
Lieblichkeit ihn durchdrangen, das sehen wir in den historischen Stücken und in
Romeo und Julie.
    Sie traten jetzt in die Loge, und Rodrich ward durch den Anblick der
wogenden schimmernden Menge, die das weite Haus umfasste, wie durch den Glanz der
herzoglichen Umgebungen angenehm überrascht. Er kannte bis jetzt nur einzelne
herumziehende Truppen, und der hohe Maßstab römischer Amphiteater war zu dem
beschränkten Raum elender Breterbuden zusammen geschrumpft. Jetzt eröffnete sich
ihm ein neuer ungeahneter Genuss. Vergangenheit und Gegenwart traten lebendig vor
ihn hin und rissen ihn unaufhaltsam fort. Die Schauspielerinn, welche Lady
Macbet darstellte, spielte mit einer erschütternden Wahrheit. Rodrich fühlte
die Gewalt, mit welcher sie den in seiner Grausamkeit schwankenden Gemahl zum
Ziele riss. Und als nun die Tat geschehen war, und die freche Sünde noch einmal
mit der Reue stritt, bis diese sie gespenstisch anfasste und der bleiche Tod auf
den starren Zügen lag, da überfiel ihn eine Angst, dass er kaum aufzublicken
wagte. Um sie los zu werden, teilte er Macbets Trotz, und focht in Gedanken
für ihn um den Thron, bis sein blutiges Haupt die furchtbare Prophezeiung löste
und das Verderben der Rache die Hand bot.
    Rodrich saß mit klopfendem Herzen da, auf allen Gesichtern lag Entsetzen.
Zufällig blickte er nach der herzoglichen Loge. Die tief gebrannten Lichter
warfen unsichere Schatten, ihm war als schwankte der Herzog und wolle
niederfallen, unwillkürlich sprang er auf, als ihn Seraphine bei der Hand
fasste, und unruhig sagte: Lassen Sie uns fortgehen, die blutigen Gestalten
ängsten mich. Fühlen Sie wohl, sagte der Gelehrte, wie ächte Poesie durch alle
Zeiten fortschreitet und nach Jahrhunderten die innere Wahrheit sich in aller
Herzen behauptet. Ich wünschte, sagte die Gräfin, sie nahete sich in
freundlichern Gebilden; diese Verzerrungen bemächtigen sich wohl des Gefühls,
lassen aber eine widrige Störung zurück. Es kommt darauf an, erwiderte er, ob
man bei dieser stehen bleibt, oder bis zur Idee des Gedichts hindurchdringt. Das
Laster in dem verblichnen Schein matterziger Tugend auftreten zu lassen, so wie
das Verbrechen auf den halben Weg zu
