, die Ihnen so
entbehrlich dünkt. - Wer den Mut hat, erwiderte der Ritter, freiwillig, aus
einer angeborenen Lust, eine Scheidewand zwischen sich und der Welt zu ziehen,
der muss gewiss einen großen Reichtum in sich tragen. - Die Bären, sagte
Stephano, zehren auch von dem eignen Fette, daher verschlafen sie auch die halbe
Lebenszeit. - Wer weiß, fiel Alexis ein, zeigt sich Ihnen im Traume nicht etwas
Besseres, als wachend an ihnen vorübergeht. Rodrich hatte einst die ganze Fülle
ausströmender Seeligkeit in der erwachten Natur empfunden, unwiderstehlich zog
ihn alles zu ihr hin. Er war nie besser, nie gotterfüllter, als wenn er in dem
reinen Luftmeere schwamm, und die ewig bewegte Flut alle Bilder des Lebens an
ihm vorüberführte. Jetzt hörte er das Klosterleben preisen, das, seine Jugend
verdunkelnd, eine widrige Störung zurückgelassen hatte. Er blickte unwillig auf
den Ritter, indem er sagte: ich zweifle nicht, dass Sie in strenger Abgezogenheit
eine Welt in sich hervorrufen könnten, die als ideale Anschauung für Sie keine
Spur der Mangelhaftigkeit an sich trüge; ob indessen die lebendige Frische, die
Beweglichkeit in ihr zu finden wäre, die uns die stete Reibung gemeinsamer
Kräfte täglich offenbart; ob der gesunde Sinn nicht dennoch einen kränklichen
Schimmer in ihr wahrnehme, bleibt unentschieden, bis Sie ihr Inneres in irgend
einem bleibenden Kunstwerke außer sich hinstellen. Ihr seid seltsame Menschen,
sagte die Gräfin, Euch über den mannigfaltigen Lebensgenuss zu streiten, und so
eigenmächtige Abteilungen darin vorzunehmen, während ihr mit vollen Sinnen in
der Gegenwart lebt, und Euch, wie mich dünkt, ganz wohl darin gefallt. Und Sie,
Alexis, kommen trotz alle dem, von der kleinen Wallfahrt nicht los, so bitter
Sie sich auch über die milden Einflüsse der Natur auslassen. Der Ritter küsste
ihr lachend die Hand, indem er sagte, womit verständen Sie nicht die
hartnäckigsten Gemüter auszusöhnen, liebenswürdige Seraphine! Ich werde den
dunklen Wald mit allen Schlangen und Kröten für ein Elysium halten, und Mücken
und Käfer als eine Würze der Speisen tapfer mit hinunter schlucken. Sie sind ein
feindseliges Gemüt, sagte die Gräfin unwillig, und wenig geschickt zu kleinen
Aufopferungen. Weil ich, erwiderte er ernst, in den größeren zu streng geübt
werde. Rosalie begann schnell ein anderes Gespräch, und bald darauf ging man
unter frohen Erwartungen des lustigen Festes aus einander.
    Mehrere Tage waren Rodrich unter Beschäftigungen verflossen, die seine neue
Lage herbei führte, und deren edle Bedeutung ihn mit den freudigsten Aussichten
erfüllte, als er eines Morgens zu der Gräfin beschieden ward, um nach
eingenommenem Frühstück die verabredete Wanderung anzutreten. Er folgte sogleich
ihrem Befehle, und fand im Vorhofe schon Wagen und Pferde zur Abreise bereit.
