 bei dem Wirt die
nötigen Erkundigungen deshalb einzuziehen. Ein Maler also? fragte dieser, und
blickte nachlässig zu ihm auf. Nie hatte ihm dies Wort so seltsam und fremd
geklungen, als in diesem Augenblick. Er erschrack selbst darüber, und wandte
sich mit dem verdrießlichen Ja von dem Neugierigen, der ihm statt einer Antwort
eine Frage zurückgab. O, sagte dieser einlenkend, wollten Sie nicht einige
Augenblicke verweilen; Sie werden hier an der Abendtafel mehrere Kunstfreunde
finden, die Ihnen vielleicht nähere Auskunft geben können. Sie nannten gewiss
einen unserer berühmtesten Meister, allein ich kann Ihnen seine Wohnung nicht
sogleich bezeichnen.
    Rodrich ging still im Zimmer auf und nieder. Einer der Berühmtesten, dachte
er, und sie kennen seine Wohnung nicht einmal! Ach, wer kommt denn auch zu der
einsamen Werkstatt des Künstlers, der in abgeschlossner Welt sich selbst und der
innern Gottheit lebt! Er fühlte jetzt, wie mühselig der Weg sei, den er
eingeschlagen hatte, und wie wenig er zu der unstäten Beweglichkeit seines
Gemütes passe. Er gedachte der Worte seines Lehrers, der ihm oftmals sagte: dass
er die Kunst nicht um ihrer selbst willen liebe, und sie alles Fleißes
ohnerachtet nur als Mittel betrachte. Er hatte das immer bestritten und gemeint:
der Wunsch, durch die Kunst berühmt zu sein, ließe sich von der Liebe zu ihr
nicht trennen. Auch jetzt wollte er es sich nicht ganz gestehen, und suchte den
schwankenden Willen mit aller Kraft zu befestigen. So gelang es ihm denn,
während er die innere Stimme durch tausend große Worte übertäubte, und die
gesunkne Achtung für sein Gewerbe auf alle Weise anregte, die alte Begeisterung
aufs neue zu entflammen. Und um sich selbst zu entfliehen, zögerte er nicht
länger, den Maler, aller Gegenrede des Wirtes ohnerachtet, aufzusuchen.
    Er war lange Zeit gegangen, ohne irgend jemand angeredet und um Auskunft
gebeten zu haben, weil er überall nicht gern bat, am wenigsten den gaffenden
Pöbel. So kam er zu einer langen prachtvollen Brücke, von deren jenseitigem Ende
sich ein breiter Kastaniengang längs dem Ufer hinwand. Unzählige bunte
Schiffchen glitten noch über das stille Wasser hin, während viele andere unfern
der Brücke landeten und dem dunklen Gange manch' fröhliches Paar zuführten.
Rodrich gesellte sich zu diesen, indem er sich hier, wo ihn nichts so drückend
auf die eigne Nichtigkeit zurückführte zum erstenmal wieder wohl und leicht
fühlte. Das dumpfe Geräusch der Wagen, wie das ganze Gewirr der Menge, ward in
der einsameren Gegend von den lustigen Liedern der Schiffer übertäubt, die längs
dem Ufer das dürftige Mahl an kleinen Feuern verzehrten. Das seltsame Spiel des
Lichtes zwischen den dunklen Bäumen ergötzte ihn unendlich. Er glaubte den
Zauber der Beleuchtung noch nie so
