, und in der quälenden Verwirrung sich selbst und ihr hohes Ziel
verlieren. Wir finden nur zu oft den Künstler vom Menschen getrennt, ein
Widerspruch, der sich, wenn die erste Frische des Gemütes verloren ging, sicher
auch in der Kunst selbst offenbart. Statt dass ein wahrhaft künstlerisches Gemüt
sich entweder freiwillig beschränkend in der eignen abgeschlossnen Welt still
fortwirkt, oder mit einem Götterblick die ganze Natur durchdringt, überall
denselben Geist ein- und aushaucht, das Einzelne und Getrennte in dem Brennpunkt
einer gotterfüllten Seele auffasst, und wie die Kunst zum Leben, so das Leben zur
Kunst erhebt. - Es ist sonst nicht Ihre Art, unterbrach ihn der Ritter, zu hohe
Anfoderung an die Menschen zu machen, und das Vollendete als Norm Ihres Urteils
anzunehmen. Indes, wenn ich auch im Ganzen Ihrer Meinung bin, so sind Sie doch
sicher im Einzelnen hier unbillig, eine völlig durchgeführte Einheit als einzige
Beglaubigung eines ächten Künstlergenies aufzustellen. Sie müssen mir zugeben,
dass ein Blitz oft das vortreffliche erzeugte, und wenn sich mehrere solche
Momente an einander reihen, sie einen schönen Kreis bilden, aus welchem jede
Lücke verschwindet. -
    Wenn von dem Streben eines ganzen Lebens die Rede ist, erwiderte der
Offizier, so kann das Ziel wohl nicht hoch genug stehen. Und wenn ich Ihnen auch
eingestehe, dass oft das Vortreffliche aus einem gestörten Leben hervorging, so
ist dieser Weg dennoch sicher nicht der wünschenswerte, am wenigsten wird ihn
jemand mit Besonnenheit wählen. Es ist dafür gesorgt, dass keiner dem andern
etwas absolut nehmen oder geben könne, und wenn Sie wirklich einen regen
Kunsttrieb in sich fühlen, so werden meine Worte ihn nicht erlöschen, allein Sie
ahneten es bei weitem früher, wie Sie auf eine Sphäre der Tätigkeit angewiesen
sind, die unmittelbar in die äußern Verhältnisse des Lebens eingreift, darum
fassen Sie nur getrost das Schwert, und ziehen Sie nach allen Himmelsstrichen
Radien, die ihr kühner Geist durchfliegen möge! Was Sie vergebens in der
Künstler-und Gelehrtenwelt suchen, Gemeingeist, Verbrüderung, das finden Sie
hier allein. Der Flachste unter uns ahnt ein inneres Band, das Alle
zusammenhält, und Niemand wagt es zu zerreißen, ohne selbst unterzugehen. Er war
bei diesen Worten aufgesprungen, und die Hand an den Degen gelegt, stand er mit
flammenden Blicken wie ein Heros vor Rodrich, der im Begriff war, vor ihm
niederzusinken, und sich ihm wie einem Gottgesandten hinzugeben, als er ruhig
seinen Platz wieder einnahm, und gelassen sagte: doch müssen Sie selbst sehen
und urteilen. Es ist nur gut, setzte er lächelnd hinzu, dass hier der Egoismus
einen ganzen Stand umfasst, sonst könnten Ihnen meine Worte leicht verdächtig
erscheinen. Was braucht es da viel langsamen Erwägens,
