 Ritter schnell ein, ihn drängt, fortreisst, bis
er das hohe Ziel errungen hat, dessen Kraft wird sich in tausend zwecklosen
Anstrengungen zersplittern, und er wird nichts vollbringen, weil er alles
umfassen wollte. - Eine Idee soll den Menschen erleuchten, erwiderte der
Offizier, ein Wunsch darf ihn nicht fortreißen. Oft glauben wir durch die
Erfüllung des Ersteren die Letztere realisirt zu sehen; aber wer hintergeht sich
nicht in Augenblicken, wo das Gefühl allein herrscht, und wer darf sagen, der
menschlichen Tätigkeit sei ein Ziel gesteckt? Was sich absolut widersetzt, das
lasse man fahren, und ergreife das Nächste mit neuer Kraft. Darin besteht eben
die Konsequenz der Allseitigkeit, dass man das Eine in Vielem reflektirt. Doch
wir geraten in unsern alten Streit, und gleichwohl, sagte er, sich zu Rodrich
wendend, erwartet uns das Ende einer interessanten Geschichte. Was mir noch zu
sagen übrig bleibt, erwiderte jener, lässt sich in wenig Worten zusammen fassen.
Ich reiste viele Tage und Nächte mit meinem freundlichen Meister durch das
fortgehende Gebirge, bis wir am Fuße desselben in einem kleinen Städtchen
anlangten, das mir damals von großem Umfang, doch weniger glänzend, als ich mir
überall eine Stadt dachte, erschien. Hier lebten wir in dem Hause einer sehr
bejahrten Frau, der Mutter des Mahlers, die den letzten Sonnenblick des Lebens
von der Liebe und dem Ruhme eines angebeteten Sohnes empfing. Fünf Jahre
verflossen mir unter dem eifrigsten Bemühn - und einer Anstrengung, die durch
die Liebe meines Lehrers und die Aussicht auf ein ruhmvolles Leben immer wach
erhalten ward. Ich lernte alte Sprachen, und durch sie die Geschichte der
Vorzeit kennen. Welch eine Welt sich mir nun eröffnete, wie mein Gemüt bewegt,
wie die innere Glut in mir angefacht wurde, das ist unmöglich zu beschreiben.
Der Wunsch etwas Großes, ja Unerhörtes zu vollbringen, ließ mir nun keine Ruhe
mehr, er trieb mich hieher, wo alle Plane, alle Erwartungen, alles vor einer
ganz fremden Wirklichkeit verschwindet, und ich im Strudel widerstrebender
Gefühle nur durch Sie Haltung und Sicherheit gewinne. - Vor allem müssen Sie die
Welt in ihrer mannichfachen Gestaltung kennen lernen, sagte der Offizier. Was
Sie bis jetzt davon sahen, war gerade hinreichend, Ihre Erwartungen auf eine
Weise zu spannen, dass Ihnen Vieles schaal und nüchtern erscheinen wird, was
dennoch eine innere Bedeutung hat, die Niemand übersehen darf. Die Kunst, die
eigentlich nichts anders ist, als was das Leben überall sein sollte,
Wiederschein einer innern erleuchteten Welt, Schöpfung eines freien, kräftigen
Geistes, würde für Sie immer nur die eine Seite des Lebens ausmachen, und zwar
die ideale. Sie müssten daher sehr bald in Widerstreit mit der wirklichen Welt
geraten
