 umgaukeln.
    Mag's sein; die Tür ist fest hinter mir zugeworfen, und das leztemal, dass
sie sie öffneten, war's nur um den Sarg meines letzten Kindes hereinzutragen; -
ich hinterlasse nun nichts, und gehe dir trozig entgegen, Gott, oder Nichts!« -
    Dies war die letzte zurückgebliebene Asche von einer Flamme, die in sich
selbst ersticken musste. Ich sammelte sie, und so viele Reliquien von dem
Menschen ich den hungrigen Mäusen noch entreißen konnte, sorgfältig, indem ich
mich gewaltsamerweise zum Erben der Hinterlassenschaft einsezte.
    Bringt mich der Himmel unverhofft einmal in eine bessere Lage, so gebe ich
das Trauerspiel: der Mensch, so zernagt und unvollständig es auch ist, auf meine
Kosten heraus, und verteile die Exemplare gratis unter die Menschen. Für jetzt
will ich nur etwas vom Prologe des Hanswurstes mitteilen. Der Poet entschuldigt
sich in einer kurzen Vorrede darüber, dass er den Hanswurst in eine Tragödie
einzuführen wagte, mit eigenen Worten folgendermaßen:
    »Die alten Griechen hatten einen Chorus in ihren Trauerspielen angebracht,
der durch die allgemeinen Betrachtungen die er anstellte, den Blick von der
einzelnen schrecklichen Handlung abwendete und so die Gemüter besänftigte. Ich
denke es ist mit dem Besänftigen jetzt nicht an der Zeit, und man soll vielmehr
heftig erzürnen und aufwiegeln, weil sonst nichts mehr anschlägt, und die
Menschheit im Ganzen so schlaff und boshaft geworden ist, dass sie's
ordentlicherweise mechanisch betreibt, und ihre heimlichen Sünden aus bloßer
Abspannung vollführt. Man soll sie heftig reizen, wie einen astenischen
Kranken, und ich habe deshalb meinen Hanswurst angebracht, um sie recht wild zu
machen; denn wie, nach dem Sprichworte, Kinder und Narren die Wahrheit sagen, so
befördern sie auch das Furchtbare und Tragische, indem jene es unschuldig hart
vortragen, und diese gar darüber spotten und Possen damit treiben. Neuere
Ästetiker werden mir Gerechtigkeit wiederfahren lassen.« -
    Das was ich noch von dem Manuscripte mitteilen will, lautete so:
              »Prolog des Hanswurstes zu der Tragödie: der Mensch
Ich trete als Vorredner des Menschen auf. Ein respektives zahlreiches Publikum
wird es leichter übersehen, dass ich meiner Hantierung nach ein Narr bin, wenn
ich für mich anführe, dass nach Doktor Darwin4 eigentlich der Affe, der doch
ohnstreitig noch läppischer ist als ein bloßer Narr, der Vorredner und Prologist
des ganzen Menschengeschlechts ist, und dass meine und Ihre Gedanken und Gefühle
sich nur bloß mit der Zeit etwas verfeinert und kultivirt haben, obgleich sie
ihrem Ursprunge gemäß doch immer nur Gedanken und Gefühle bleiben, wie sie in
dem Kopfe und Herzen eines Affen entstehen konnten. Doktor Darwin, den ich hier
als meinen Stellvertreter und Anwald aufführe, behauptet nämlich, dass der Mensch
als Mensch einer
