 fand, bei ihm zu wohnen,
entschloss er sich, ihr seine Schwestern Elise und Laurette als Ehrenretterinnen
zur Seite leben zu lassen.
    Rosamund war des Herrschens über eine Schaar demütiger Verehrer allzu
gewohnt, als dass sie nicht sogleich versucht haben sollte, sich ihrer weiblichen
Umgebung ganz zu bemächtigen. Mit Elisen, diesem süßen, geschmeidigen Wesen,
gelang es ihr sehr leicht; schwerer machte Laurette ihr den Sieg. Doch erlag
auch diese endlich dem feinen Gifte der Schmeichelei und dem steten Lobpreisen
ihrer erhabenen Geistesqualitäten, so dass endlich dieses Kleeblatt so
ungleichartiger Naturen, gleichsam in einander verwuchs und ein seltsames Ganzes
darstellte, das mit vereintem Treiben, jedoch jedes sein besonderes Interesse
der Eitelkeit durchsetzte.
    Das Wohlleben und die Eleganz, worin sie einen guten Geschmack zu legen
verstanden, zog bald ein leichtes Völkchen um sie zusammen, das so eben gut
genug war, sie zu amüsiren, und auch wieder nicht gut genug, sich an dem etwas
schwankenden Rufe seiner Gönnerinnen zu stoßen; wie es denn überhaupt zum
Amüsements-System der schönen Welt gehört in Absicht der Sittlichkeit alles fünf
gerade sein zu lassen. Die trefflichsten Weiber werden dann nur erst bemerkt und
vorgezogen, wenn sie einen notablen dummen Streich gemacht haben.
    Diese Kotterie wurde bald ein Zirkel, und zwar anmasslich ein ästetischer,
weil einige junge, Schöngeisterei treibende Herren hier ihre Schwungkraft übten,
ehe sie sich in höhere Regionen wagten.
    Wir haben unsre junge Freundin in diesen Kreis eingeführt gesehen, und
müssen sie uns nun betroffen und mit gesenktem Blicke da sitzend denken. Ihr
reines, ihr frommes Herz, ihr wahrhaft jungfräulicher Sinn, dem hier nichts
zusagte, fand gleich bei ihrem Eintritte nur zu viel Anlass, den raschen, kecken
Schritt zu bereuen, den sie getan hatte Von allen Seiten wurde sie mit Fragen
bestürmt, für welche sie keine Antworten hatte; oder sie zu geben, zu bescheiden
war. Tante Elise, die überall dem Drange ihrer Göte's-Existenz nicht
widerstehen konnte, fragte ganz zart und liebend, ob die liebe Nieçe diesen Gott
unter den Dichtern wohl kenne? »Sie sind seltsam, Tante!« rief Laurette
dazwischen, »Ansprüche der Art an unsere Verwandtin zu machen; sie hat auf ihrem
Dorfe wohl schwerlich andere Poesie, als aus dem Gesangbuche der lieben Gemeine
kennen gelernt. - Diese Menschen - ach Gott! sie dauern mich! - sie müssen sich
an die trivialsten Trivialitäten halten! Diese rohen Naturkinder! und was
gibt's gemeineres, als die rohe Natur, mit der sie sich ganz umgeben, um in
ihrer Platteit unterzugehen. Manches ließe man in der Natur freilich so
hingehen, in so fern nämlich ihre Kenntnis die Grundlage höherer Geisteskultur
wird; aber gestehen Sie, Tante!
