
Jüngling an, und der Wind wehte das Hauptwort Bücher weg) nicht gut oder
schlecht machen, besser oder schlechter machen sie doch.« Wie rührend und nur
aus dem Innersten in das Innerste dringend klang ihm diese Stimme' welche des
schönen wehmütigen Flors um das Angesicht würdig war! - Darauf versetzte der
andere Herr: »Die Dichtkunst führt ihre Inhaber zu keinem bestimmten
menschlichen Charakter; wie Kunstpferde machen sie Küssen und Totstellen und
Komplimentieren und andere fremde Künste nach; sind aber nicht die
dauerhaftesten Pferde zum Marsch.« - Das Gespräch war offenbar im Poetengange
aufgewachsen.
    »Ich bin gar nicht in Abrede«, versetzte der blaue Jüngling ruhig ohne alle
Gestus, und Gottwalt ging immer schneller und öfter vorüber, um ihn zu hören,
»sondern vielmehr in der Meinung, dass jede, auch willkürliche Wissenschaft,
dergleichen Theologie, Jurisprudenz, Wappenkunde und andere sind, eine ganz
neue, aber feste Seite an den Menschen oder der Menschheit nicht nur zeige, auch
wirklich hervorbringe. Aber desto besser! Der Staat macht den Menschen nur
einseitig und folglich einförmig. Der Dichter sollte also, wenn er könnte, alle
Wissenschaften d.h. alle Einseitigkeiten in sich senden; alle sind dann
Vielseitigkeit; denn er allein ist ja der einzige im Staat, der die
Einseitigkeiten unter einen Gesichtspunkt zu fassen Ruf und Kräfte hat und sie
höher verknüpfen und durch loses Schweben alles überblicken kann.«
    »Ganz evident«, sagte der Fremde, »ist mir das nicht.« - »Ich will ein
Beispiel geben«, versetzte der Graf Klotar. »Im ganzen mineralogischen,
atomistischen oder toten Reiche der Kristallisation herrschet nur die gerade
Linie, der scharfe Winkel, das Eck; hingegen im dynamischen Reiche von den
Pflanzen bis zu den Menschen regiert der Zirkel, die Kugel, die Walze, die
Schönheitswelle! Der Staat, Sir, und die positive Wissenschaft wollen nur, dass
sein Arsenik, seine Salze, sein Demant, sein Uranmetall in platten Tafeln,
Prismen, langrautigen Parallelepipedis usw. anschiessen, um leichter eingemauert
zu werden. Hingegen die organisierende Kraft, eben darum die isolierende, will
das nicht, das ganze Wesen will kein Stück sein; es lebt von sich und von der
ganzen Welt. So ist die Kunst; sie sucht die beweglichste und vollste Form und
ist, wie sonst Gott, nur wie ein Zirkel oder ein Augapfel abzubilden.«
    Aber der Notar zwang ihn aufzuhören. - Er hatte sich darüber Skrupel
gemacht, dass er so im Auf- und Abschleichen die obwohl lauten Meinungen des
edelen Jünglings heimlich weghorche; daher lehnt' er sich aus Gewissen an einen
Baum und sah unter dem Hören dem Blaurock deutlich ins Gesicht, um ihn
anzuzeigen, dass er
