 Schieber setzt mit vergrösserten Gliedmaßen zum allgemeinen Bewundern und
Ekeln.
    Dies beiseite, so merk' ich noch für dich besonders an, liebes Wältlein,
falls du der zweite Leser dieses Wochenbuchs würdest, wie dein Vult der erste
ist - in welchem Falle du aber ein ausgemachter ausgebälgter Spitzbube wärest,
der sein gestriges Wort bräche, nie in meine Papiere zu blicken -, ja ich setz
es absichtlich zur Strafe der Lesung für dich her, was ich jetzt behaupten
werde, dass ich nämlich dich echter zu lieben fürchte, als du mich liebst. Wäre
dies gewiss: so ging' es schlimm. Sehr zu besorgen ist, mein' ich, dass du - ob du
gleich sonst wahrlich so unschuldig bist wie ein Vieh - nur poetisch lieben
kannst, und nicht irgendeinen Hans oder Kunz, sondern bei der größten Kälte
gegen die besten Hänse und Künze, z.B. gegen Klotar, in ihnen nur schlecht
abgeschmierte Heiligenbilder deiner innern Lebens- und Seelenbilder kniend
verehrst. Ich will aber erst sehen.
    Du wirst dich nicht erinnern, Wältchen, dass ich dir gestern oder heute
morgen weisgemacht, dass ich nicht aus andern Gründen, sondern deinetwegen allein
in deine Schweiß-, Dachs- und Windhunds-Hütte eingezogen bin. Folglich log ich
nichts vor. Nur keine Lüge sage der Mensch, dieser Spitzbube von Haus aus! Fast
alles ist gegen einen Geist eher erlaubt, weil er gegen alles sich wehren kann,
nur keine Lüge, welche ihn, wie ein altrömischer Henker die unmannbare Jungfrau,
in der Form der innigsten Vereinigung schänden und hinrichten will.
    Schauest du also so sehr spitzbübisch und ehrvergessen in dieses Journal: so
erfährst du hier nach dem vorigen Doppelpunkt, dass ich ein Narr bin und eine
Närrin will, mit einem Wort, dass ich eben ein Fenster von dir - wie zu einer
Hinrichtung Damiens' um vieles Geld - gemietet, bloß um aus dem Fenster mich
selber hinzurichten, nämlich hinunterzusehen in den Neupeterschen Park, wenn
Wina, in die ich mich vergafft habe, zufällig mit deiner Raphaela lustwandelt.
Ich freue mich darauf, wie wir beide an unsern Fenstern stehen und
hinabschmachten und lächerlich sein werden. Nichts ist komischer als ein Paar
Paare Verliebter; noch mehr wär' es ein ganzer rechter und ein linker Flügel,
der seufzend einander gegenüberstände; - - hingegen eine ganze Landsmannschaft
von Freunden sähe nur desto edler aus.
    Für jeden ist eine Frau freilich etwas anderes; für den einen Hausmannskost,
für den Dichter Nachtigallenfutter, für den Maler ein Schauessen, für Walten
Himmelsbrot und Liebes- und Abendmahl, für Weltmenschen ein indisches Vogelnest
und eine pommersche Gänsebrust - kalte Küche für mich. Die Lungensucht, welche
Liebende und die Wärter der Seidenraupen - jene wollen ja
