 hatte,
vor welcher ihm nicht im geringsten bange war; denn Winas Blick hatte in ihm
einen so feurigen Herzschlag entzündet, dass er mit einem solchen Frühlings-Pulse
vermochte, in jeder äußern Kälte des Schicksals warm zu bleiben.
    Sein Vater Lukas hatte ihn neuerlich in mehreren Kopien von Brief-Originalen
(die der Schulze behielt, weil im Briefschreiben das Original das schlechtere
ist) seine Angst vor dem Notariats- Hintergrund und die Beteurung seiner
»Herbeikunft« wissen lassen. Walten wurde die Wiederholung desselben dürren
Gedankens, die so manchen frischen erdrückte, sehr zur Last, und er wünschte
nichts weiter als die alte Freiheit, an hundert Dinge zu denken. »Warum ist denn
ein Irrweg so verdrießlich«, sagt' er, »als bloß weil man so lange, bis man den
rechten wieder erwischt, immer die abgeschabte platte Idee des Wegs besehen und
behalten muss!« Die gemeinen Qualen des Lebens belasten weniger unter ihrer
Geburt als während ihrer Schwangerschaft, und der eigentliche Leidenstag geht 24
Stunden oder Zeiten früher an als der äußere. Der erste Schritt, den Walt am
anberaumten Morgen ins Rataus tat, machte ihn zu einem andern Menschen, nämlich
zum alten - die Sache war für ihn vorbei, denn sie war so nahe. Zu bald kam er
im Vorzimmer an, harrte aber vergnügt und machte einen Polymeter, worin er
einige gute Gruppen besang, die in halberhobener Arbeit am Ratsofen mit aller
der Wärme dargestellt waren, welche die Jahreszeit an einem kalten Ofen erlaubt.
Tanz-Horen, Füllhörner voll Heu, Fruchtschnüre oder -stricke, Büschel von dicken
festen Blumen oder Obst und sechs Frühlinge aus Ton (denn es war ein
Zirkulierofen) waren allerdings imstande, einen Dichter wie er zu heizen. - Als
noch immer die Ratsstube zublieb, so geriet er auf Neben-Ideen, ob nämlich nicht
ein ganzer Roman aus Ofen-Pasten darzustellen und zu entwickeln wäre, besonders
ein komischer. So vermag nur ein Mann vor einer wichtigen Wendepunktsstunde,
z.B. vor einer Krönung, Schlacht, Selbstermordung, nicht aber seine Frau vor
einer ähnlichen, z.B. vor einem Balle, - zu dichten, zu schlafen, zu lesen.
    Da endlich der Schirmherr der Kabelschen enterbten Erben, der Pfalzgraf
Knoll, eintrat, so fing alles an und wurde gehörig vor den Bürgermeister Kuhnold
gestellt.
    In seinem Leben war ihm nie so federleicht in einer Ratsstube gewesen; auf
dem Staubfaden einer Lilie hätt' er sich schaukeln können. Er fiel aber bald von
seiner Lilie ins Beet herunter, als der Schirmherr anfing vorzutragen und zu
belegen, »dass der offene geschworne Notar bisher sehr absurd gewirtschaftet« -
dass er nicht nur erstlich und zweitens zweimal in Instrumenten abbrevieret -
