 wie das Faultier nur
die Gipfel sucht. Aber was haben wir Teufel? Besitzen wir unbeschreibliche
Verdienste: so können diese nicht adeln, sondern sie müssen geadelt werden; und
dann sind wir zu brauchen, sowohl zu einem Ministers- als sonstigen Posten.
    Doch der Adel erkennt auch selber seine Kostbarkeit und unsere Notwendigkeit
gern an; denn er schenkt selber deswegen - wie etwan die Holländer einen Teil
Gewürz verbrennen oder die Engelländer nur siebenjährig ihre Wasserblei-Gruben
auftun, damit der Preis nicht falle - in seiner Jugend der Welt fast nur
Bürgerliche, und sparsam erst später in der Ehe eines und das andere Edelkind;
er macht lieber zehn Arbeiter als eine Arbeit, weil er den Staat liebt und sich.
    O schweige noch! freilich war dies nur Ausschweifung in der Ausschweifung. -
Abnahme des Adelsstolzes wollen neuerer Zeit viele noch daraus sehr vermuten,
dass ein und der andere Fürst mit einer Bürgerstochter tanzte, wie ich trotz
meines gelehrten Standes mit einer Bauerstochter, oder dass ein Fürst zuweilen
einen Gelehrten oder Künstler zu sich kommen ließ, wie den Klavier- und den
Schneidermeister auch, nicht in seinen Zirkel, sondern zum Privatgespräch. Meine
Leute, mes gens sagen sie von den Bedienten, um sie von uns andern Leuten zu
unterscheiden.
    Warum reitest und kletterst du aber so eifrig an einem der höchsten
Stammbäume hinan? - Dass ich meines Orts droben sitze, als Herr van der Harnisch,
hat seinen guten Grund: ich fenstere auf dem Gipfel meinen Zirkel aus und
erhebe, was drunten ist, euch Bürger-Pack; kein Mensch kann sich rühmen, den
Adel noch so geärgert zu haben als ich; nur in Städten, wo ich nicht von Geburt
war, musst' ich mich von ihm ärgern lassen, wenn er unter dem Vorwand, meine
Person zu schätzen, mich zur Tafel bat, um meine Flöte zu kosten; dann blies ich
aber nichts, sondern ich dachte: ich pfeif' euch etwas. Dem weich' ich jetzt
ganz aus.«
    Walt versetzte: »Ich will deinem halben Ernste ganz offen antworten. Ein
Dichter, für den es eigentlich gar keine gesperrten Stände gibt, und welchem
sich alle öffnen sollten, darf wohl, denk' ich, die Höhen suchen, wiewohl nicht,
um da zu nisten, sondern den Bienen gleich, welche ebensowohl auf die höchsten
Blüten fliegen als auf die niedrigsten Blumen. Die höheren Stände, welche nahe um
das sonnige Zenit des Staates leuchten, als hohe Sternbilder, sind selber schon
für die Poesie durch eine Poesie aus der schweren tiefen Wirklichkeit entrückt.
Welch eine schöne freie Stellung des Lebens! Wär' es auch nur Einbildung, dass
sie sich für erhoben hielten, und das zwar geistig - denn jeder
