 weil er die
Einladung für einen Lohn der Brief-Gabe nahm -, als der Eden-Gärtner die Treppe
wieder heraufkam und durch die Türspalte nachholte, er solle was zum
Verpetschieren einstecken, es wären Notarius-Händel.
    Indes wars in jedem Falle etwas. Er traf als Notarius im reichen Landhaus
Klotars zugleich mit dem Fiskal Knoll ein. Aber als er die vergoldeten
Quartanten, die vergoldeten Wandleisten und das ganze Wohnzimmer des Luxus
übersah: so rückte die eigne Wohnung den Grafen weiter von ihm weg als die
fremden bisher. Klotar fuhr, ohne aus beiden Ankömmlingen viel zu machen, im
Streite mit dem Kirchenrat Glanz und dessen flachem Tolerieren so fort: »Der
Wille arbeitet den Meinungen mehr vor als die Meinungen dem Willen; man gebe mir
eines Menschen Leben, so weiß ich sein System dazu. Glaubens-Duldung schlösse
auch Handelns-Duldung in sich ein. Ganz tolerant ist daher niemand, Sie sind es
z.B. nicht gegen Intoleranz.« Glanz gab recht, bloß weil sein Ich beschrieben
wurde. Aber der Notar stellte - weil er ohnehin müßig stehen musste - den Einwand
auf: »Ganz intolerant ist auch kein Mensch, kleine Irrtümer vergibt jeder, ohne
es zu wissen. Aber freilich sieht der Eingeschränkte, gleichsam im Tal Wohnende
nur einen Weg; wer auf dem Berge steht, sieht alle Wege.«
    »Ins Zentrum gibts nur einen Weg, aus dem Zentrum unzählige«, sagte der Graf
zu Glanz. »Wollen Sie indessen sich an meinen Sekretär setzen, Hr. Notar, und
den gewöhnlichen Eingang zu einem Schenkungs-Instrument für Fräulein Wina von
Zablocki in meinem Namen machen? Ich heiße Graf Jonathan von Klotar.« Die Namen
Jonathan und Wina zitterten dem Notar wie Apfelblüten auf die Brust herab. Er
setzte sich und schrieb voll Lust: »Kund und zu wissen sei jedermann durch
diesen offenen Brief, dass ich Graf Jonathan von Klotar heute den« - Walt fragte
den Juristen um den wievielsten; »der 16.«, sagte dieser. Höflich nahm er keinen
neuen Bogen, sondern schabte am Schreibfehler des alten lange. Unter dem Schaben
konnt' er auf des mageren haarigen Knolls Vorlesung über Ehekontrakte hinhören,
neben welchem der schöne Graf ihm wie der edle Hugo Blair in der Jugend, dessen
geist-erhebende Predigten seine Flügel und seine Himmel zugleich gewesen,
vorkam. Ein Kontrakt zwischen Wina und Jonathan - ein eigensüchtiges do ut des -
war ihm eine widrige widersprechende Idee, da man wohl mit dem Teufel einen Pakt
macht, aber nicht mit Gott. Er benutzte das Wegschaben des Datums als eine freie
Sekunde und sagte (ebenso keck, wenn ihm etwas Rechtes einfiel, als blöd' im
andern Falle): »
