, sie zu beleidigen,
mussten es mit ihrem Leben büßen, denn durch Schönheit, Rang, Reichtum und
Einfluss war ihr Vieles möglich. - Frühzeitig, unumschränkte Gebieterin eines
großen Vermögens, würden ihr die Männer durch ihre ewigen Schmeicheleien
gleichgültig geworden sein, wenn nicht Vergnügen und Stolz, männlichen Umgang
ihr zum Bedürfnis gemacht hätten. Was sie am meisten an einem Mann reizen
konnte, war Verschwendung, Pracht, Leidenschaftlichkeit und blinde Ergebung in
ihren Willen. Aber dabei verstand auch sie allen Leidenschaften der Männer, mit
so viel Klugheit und Einsicht zu schmeicheln, dass selbst die, welche sich von
ihr losgerissen hatten, ihr heimlich ergeben blieben, und sich von ihrer
Meinung, ihren Willen noch lange abhängig fühlten. - Mit Albret hatte sie eine
Zeitlang in den engsten Verständnissen gelebt, um ihrentwillen hatte er den
größten Teil seines Vermögens verschwendet, und Verhältnisse zerrissen, für die
er sonst viele Rücksichten gehabt hatte. Sie war die einzige, die er geliebt
hatte, die ihm als eine seltene Ausnahme ihres Geschlechts groß erschien; alle
andere Weiber hielt er für kleinlich, kindisch, verächtlich, und diesen
Gesinnungen gemäß, hatte er sie immer behandelt. Und als seine Leidenschaft für
sie, weniger heftig brannte, da ward es das Ziel seines Stolzes, ihren Ränken
mit noch größerer List und Gewandheit zu begegnen, und sich, selbst wider ihren
Willen, wenigstens den Schein eines engen Verständnisses zu erhalten. Aber seine
Bemühungen waren vergebens, und er musste es geschehen lassen, dass sie einen
Andern ihm vorzog, auf eine Art, die seinen Stolz eben so sehr, wie seine
Leidenschaft kränkte. Nunmehr trat Hass und Begierde nach Rache ganz an die
Stelle der Liebe; bittere Verschlossenheit und verachtendes Misstrauen, wozu er
immer Anlage gehabt hatte, erfüllten nun ganz sein Gemüt. Doch auch gehasst,
blieb sie ihm stets der Mittelpunkt der Welt, die geheime Beherrscherin seiner
Handlungen, das einzige Wesen, bei dem er sein Andenken erhalten, und sein
Dasein für wichtig gehalten wissen wollte. Er wusste, wie sehr ihr Stolz durch
den Anschein von Gleichgültigkeit zu verletzen war, nur musste dieser Schein ganz
die Gestalt der Wahrheit haben, wenn er ihren Scharfsinn täuschen wollte. - Er
verheiratete sich mit mir, und es gelang ihm wirklich, ihre Empfindlichkeit
rege zu machen. Das Aufsehen, welches er zu erregen, auf alle Weise bemüht war,
reizte sie noch mehr, und es war die höchste Zeit, dass er sich entfernte, denn
der Todesstreich, welcher den unglücklichen Marchese traf, war, wie es hernach
klar geworden ist, Albret von ihrer Hand zugedacht. - Wie gut war es, Julie, dass
ich meinen Argwohn gegen Albret, der sich doch nur auf eine bloße Vermutung
