 und dankbarem Gefühl, und
der Baum der Erkenntnis trug mir nur süße Früchte, bis ein reiferes Alter mir
durch das Gefühl meines beschränkten Wissens auch die bitteren darreichte. Aber
jetzt brach ein neues Leben für mich an. Mein Vater, hieß es, müsste eine Reise
in verschiedene Gegenden Europa's tun, und ich sollte ihn begleiten. Das heitre
Bild menschlicher Tätigkeit wuchs vor meinen Augen immer mehr, wie der Raum um
mich her. Unter der Menge neuer, lebendiger Vorstellungen verlor ich das
Andenken an mich selbst; meine erwachende Phantasie umgab die Natur mit einem
äterischen Schimmer; die Strahlen der Kunst berührten meine Seele mit heiliger
Ahnung, und eine Welt von neuen Gestalten bildete sich in meinem Busen aus. Ich
dachte nur so viel als gerade nötig war, um meine Genüsse schöner und an
ziehender zu machen, und so genoss ich Glücklicher! alle Freuden der Jugend, von
Phantasie, Gefühl und Geschmack zu Allem begleitet, und nur dann verloren sie
ihren Reiz für mich, wenn die Grazien sich von ihnen weggewandt hatten. - -
Freilich bin ich stolz geworden. Diesen Nacken hat noch kein Unglück gebeugt,
immer hat ein günstiger Zufall mir, wenn ich sorgen wollte, die Hand geboten,
und selten habe ich einen Wunsch verfehlt. Ja, ich traue mir Kraft genug zu, die
Gewährung meiner Wünsche, so hoch sie fliegen mögen, der Welt abzuzwingen, und
von dem Schicksal die Erfüllung meines Berufes zum Glück zu fordern. Aber
Barton, mein Gefühl ist lebendig und gut; es gibt Menschen, die ich hasse, aber
ich könnte sie dennoch beglücken, stände es in meiner Macht; und selbst die,
welche ich verachten muss, bedaure ich zugleich. Meine Leidenschaften sind
heftig, ich weiß es, aber sie brechen sich in sanfte Farben, wie Regentropfen im
Sonnenstral, vor dem allmächtigen Schönheitssinn, der mein ganzes Wesen
durchdringt und emporhebt. - Und ist nicht dieser Sinn, wenn wir frei genug
denken, ihn aufs Ganze zu verbreiten, das größte, heiligste in uns? - wie weit
erhebt er uns über eine engherzige Sinnlichkeit! Diese zieht nur einen kleinen
Zirkel um uns, wählt wankelmütig bald dies, bald jenes, und selbst das höchste
Interesse, das sie an Andere binden kann, wird durch den Tod zerrissen. Aber
jenes Gefühl, dessen heilige Rührung durch die ganze Gattung gefühlt wird, durch
welches eine wahrhaft schöne Handlung, eine große Empfindung, die vor
Jahrhunderten verübt oder gefühlt ward, und auf unser persönliches Wohl oder Weh
keinen Einfluss hat, Tränen des reinsten Wohlgefallens in unser Auge lockt -
dies Gefühl entstand mit der Menschheit, erhielt sich und dauert fort.
    Du siehst, mein Lieber, dass ich Deine Auffoderung, Dir
