 nein! mein Stolz erwacht, und was es auch kosten mag, ich
reiße Liebe und Hoffnung und Glück, auf ewig aus meinem Herzen!
    In einigen Tagen wird mein Vater mit Privataufträgen des * * schen Hofs nach
* * gehen. Er will, dass ich ihn begleiten, mancherlei Geschäfte übernehmen, und
mich nun selbst mit Welt und Menschen bekannt machen soll; und ich werde, so
viel ich kann, mich in seine Wünsche fügen; aber mein Sinn, meine Stimmung,
treibt mich jetzt fast unwiederstehlich dazu, Kriegsdienste zu nehmen, und ich
werde alles tun, um ihn für diesen Wunsch zu gewinnen. Sonderbar ist es mir zu
Mute, wenn ich jetzt an meine frühern Wünsche zurück denke, wo ich mir kein
größer Glück denken konnte, als meines Vaters Freund zu sein, und viele Länder
und Menschen kennen zu lernen. Und nun bin ich fast der Vertraute meines Vaters
geworden; ich sehe ihn, der sonst vor meiner Phantasie immer in heiliges Dunkel
gehüllt war, ganz nahe und klar vor mir handeln; nun ist der Augenblick
gekommen, der sonst eine Gränze für alle meine Hoffnungen zog. Und wenn ich mich
nun doch so voll Unruhe und Sehnsucht fühle, da erscheint mir der Mensch wie ein
Wandrer, der einen Berg ersteigen will, und wenn er die eine Höhe, die er für
die letzte hielt, erstiegen hat, so wächst der Berg vor seinen Augen, und er
steigt mit steter Sehnsucht, so weit er kann, ohne je den Gipfel erreichen zu
können. Unsre Wünsche verlieren sich ins Unendliche, wie alle unsre
Vorstellungen; denn wir können uns das Größte und das Kleinste, das
Unbeschränkte und Beschränkteste nicht denken. Nur Einen Zustand im Leben gibt
es, welcher Ruhe gewährt ohne Ersterbung, der das Unendliche umspannt, und alle
Sehnsucht befriedigt. Es ist der kurze, glühende Sonnenblick, den eine höhere
Sonne, vorübergehend, auf das dunkle, flüchtige Leben des Sterblichen wirft.
Aber er geht vorüber, und alles sinkt ihm noch in tiefere Schatten! - Ohne
Hoffnung blicke ich in mein zukünftiges Leben hin; das Glück liegt hinter mir,
und ich lebe dafür nicht mehr. Und wofür denn sonst? - zum Wohl des Ganzen soll
ich wirken? und weiß ich denn, worinnen dies eigentlich besteht? zeige mir, wo
ich das wahre Ziel zu suchen habe: - und wenn ich es nicht weiß, nicht wissen
darf, so treibt mich eine ewige Notwendigkeit, auch ohne mein Zutun dahin. -
Ach! das hat mich schon öfters gequält! - Rollt die Menschheit mit allen ihren
äußern und innern Revolutionen, ewig wie ein ungeheures Rad, mit Nacht und
Traum bedeckt, in dem Strom der Zeit dahin?
