 Albret tödlich
gehasst wird, und aus welchen Gründen; weiß es, dass dieser stolze, rachedürstende
Mann seinen Groll auch auf mich übertrug, und dass mein Vater, der in seiner Nähe
für mich fürchtete, sogar mein Leben in Gefahr glaubte, deshalb so schleunig, so
unbiegsam auf meine Abreise drang. Seine Liebe erfreut mich, aber die Gefahr,
worinnen er mich geglaubt, rührt mich weit weniger, als, wie ihr das furchtbare
Gemüt dieses Mannes kennen, und es so gleichgültig zu ertragen vermochtet, dass
Amanda bei ihm lebt. Wie? habt ihr Herzen? oder hat die Welt schon euren Sinn so
eng zusammen gezogen, dass nur euer eigenes Schicksal euch rühren kann, und ihr
das Wohl und Weh eines fremden Wesens - o Gott! und des vollkommensten -
gelassen und untätig, in seine eignen Hände gebt? - Und ihr seid ja die bessern
unter den Menschen! - Doch davon hernach: jetzt das Wichtigste.
    Amanda schreibt mir nicht - was geht dort vor? - das ist es, was ich von Dir
wissen muss. Einer meiner dortigen Bekannten erzählt mir in seinem Brief ganz
unbefangen, dass man sie sehr oft mit dem Grafen * * zusammen sehe; dass seine
heftige Leidenschaft für sie kein Geheimnis sei, und Amanda ihr Gehör zu geben
scheine. Ich glühe, wenn ich mir das denke. Kanntest Du jemals diese Qualen der
Eifersucht, die mir, wütender Flammen gleich, verheerend durch die Seele
zucken. - Warum vernichten sie ohne zu töten? - Und warum soll sie keine Freude
mehr genießen, ohne mich: ihre ganze Existenz gedultig in die meinige auflösen?
- Kann ich, will ich diesen Seelenmord verlangen? Ja! ich darf Alles von ihr
fodern, weil ich ihr Alles zu geben bereit bin; mein Gefühl ist natürlich, ist
gerecht! - Ein heiliges Gesetz, dass Liebe nur Liebe - verlangt und gibt, liegt
ihm zu Grunde. Ist sie mir nicht Alles? Möchte ich nicht, von ihr getrennt, jede
Freude nur darum genießen, um sie, treu aufbewahrt und verschönert, ihrer
Phantasie wieder zu geben?
    Vergleiche ich nun die stillen Äußerungen Deiner Briefe damit, die auch
ihrer oft in Verbindung mit dem Grafen erwähnen, so stoßen sie mir den Dolch ins
Herz, und doch kann ich nicht sagen, dass du mir weh tust. Du schreibst mir kein
Urteil, nur trockne Wahrheit; bloß die äussre Erscheinung, nichts von
Vermutung, selbst das nicht, wie es auf Dich wirkte. Das tust Du, eben weil Du
weißt, wie tief es mich angeht. »Ich rate niemand in Sachen des Gefühls,«
sagtest Du einst, »denn ich kann so gut irren, wie der
