 Mein Mann heftete lange einen
festen Blick auf mich, und schien den schrecklichen Gedanken ohne große
Befremdung in meinem Auge zu lesen. Es lag etwas furchtbares in seinem Blick,
aber zugleich eine gewisse Hoheit, der ich nicht widerstehen konnte. Unsre
Abreise erfolgte bald darauf, und ich blieb in dieser schauderhaften
Ungewissheit, deren Quaalen nur durch die Veränderung der Gegenstände, und durch
den gänzlichen Mangel einer, jenen Verdacht bestärkenden, Bestätigung, gemildert
worden sind.
    Doch, frage Dich selbst, ob mir nicht, wenn ich darüber nachdenke, immer
noch Gründe genug zu ängstlichen, entfernenden Zweifeln gegen Albrets Charakter
übrig bleiben? - Was soll, was kann ich von diesem geheimnisvollen Wesen denken?
und ist nicht vielleicht diese erhabene, in allen Fällen sich gleichbleibende,
Fassung selbst ein Beweis, dass gewisse schreckliche Grundsätze ihm ganz zur
Natur geworden sind?
    Ich verlasse Dich, um mich zu zerstreuen, und diese Gedanken so viel als
möglich aus meiner Seele zu verbannen. Wollte ich ihnen nachhängen, so müsste ja
aller Frieden und aller Glauben an Menschlichkeit auf ewig daraus scheiden.
 
                                 Zweiter Brief
                                Eduard an Barton
Seitdem Du mich verlassen, mein Barton, habe ich schon oft den waldigen Hügel
erstiegen, wo ich zum letztenmal Deines vertrauten, freundschaftlichen Umgangs
genoss. Du warst damals in einer ungewöhnlich feierlichen Stimmung, und Dein Auge
schaute voll tiefer Rührung herunter in die heitere, weit um uns verbreitete
Welt. »Welches Leben, welche Wirksamkeit in der ganzen Natur! sagtest Du. Stete
Umschaffung, Verarbeitung, Veränderung, und eine Kraft, die immer bleibt; denn
nur das Bleibende kann sich verändern. Aber was sie ist, diese Kraft, welche die
Räder des Ganzen zusammen hält, dass kein Teil sich aus seinen Fugen
herausreissen darf, die den Geist mit Formen bekleidet, und das Aufgelösete, nach
Ruhe strebende, zu neuem Leben, neuer Tätigkeit zwingt? - Forsche nicht
danach; nur das, was sich verändert, können wir wahrnehmen, und das Bleibende
erkennen wir, wie unser eigenes Wesen, aus seinen Wirkungen. Ja, Eduard, fuhrst
Du fort, wir lernen unser inneres Leben immer deutlicher und schöner kennen, je
wirksamer wir in dem äußern sind. Lass uns dem großen, guten All aufs innigste
angehören, und unser Selbst nur in dem Ganzen wiederfinden. Der Mensch fängt
damit an, Alles von Andern zu erwarten, und soll damit enden, Andern so viel er
kann zu gewähren. Es gibt eine Zeit, wo er sich unglücklich fühlt, wenn Andere
ihm nichts sein wollen, und wieder eine andere, wo es ihm Bedürfnis ist, der
Welt etwas zu sein. Du hast den Weg bis dahin natürlich und gut vollendet; ich
gebe Dich mit frohem Mut der
