 - lebte nur wenige Tage
in der Ehe, die bloß Konvenienz geschlossen hatte, und ist jetzt Wittwe. Der
Wunsch, einige vormalige Bekannte wieder zu sehen, führte sie hieher ins Bad, wo
es ihr nun sehr zu gefallen scheint. Ich sah sie zum erstenmal auf einem Ball.
Wir waren beide fremd, hatten uns durch ein Spiel des Zufalls auf gleiche Art
gekleidet, fanden, dass wir in der Gestalt viel Ähnliches hatten, und dies alles
- Du weist, dass solche kleine Umstände oft ein Band knüpfen können - beredete
uns, dass wir einander mehr als den Übrigen angehörten. Sie kam mir mit der
angenehmsten Art von der Welt entgegen, und zeigte in Allem was sie sagte und
tat, etwas so unbefangenes und dabei so vollendetes, dass ich gleich sehr
lebhaft für sie eingenommen ward, und ihren Umgang eifrig zu suchen beschloss.
Seitdem sehen wir uns täglich, und sie hat mich dazu vermogt, - was ich bis
jetzt nicht habe tun mögen, - unter der, hier immer mehr anströmenden Menge von
Fremden mehrere Bekanntschaften zu machen, und an ihrer Seite herum zu
schwärmen. Aber die liebsten Stunden, sind mir die, welche ich mit Nanetten
allein zubringe. Es gibt so vieles aus unserm vergangenen Leben, was wir uns
gern mitteilen mögen, und Nanette hat eine so harmlose, leichte Art, die Dinge
zu betrachten, dass ich, seit diese Silphide mich umgaukelt, meine jugendliche
Heiterkeit ganz zurückkehren fühle. Wie sehr können zwei weibliche Wesen sich
gegenseitig beglücken, bei ihrer zarten Empfindung, dem leisen Erraten, der
schnellen, reizbaren Phantasie, die ihnen eigen ist, wenn sie nur standhaft alle
Eifersucht von sich entfernt zu halten wissen! - Da wir häufig das Freie suchen,
so haben wir die Gegend umher schon ziemlich genau kennen lernen, und wir sind
bei unsern kleinen Ausflügen stets äußerst froh. Überlass ich mich in manchen
Augenblicken zu sehr den Lockungen einer schwermütigen Träumerei, so weiß sie
meine Blicke immer sehr glücklich auf die angenehmen Seiten meines Lebens zu
lenken, oder sie neckt mich auch wohl, und zerstreut mich, indem sie mit Laune
und Feinheit, meine Empfindlichkeit rege macht. Eine Szene, die gestern vorfiel,
muss ich Dir schildern, denn ich weiß, Du liebst das idyllenhafte - und der ganze
Tag ist wohl einer Beschreibung wert. Es war ein liebliches Wetter; die Luft
atmete so warm, so wohltuend, dass Alles ihren Einfluss fühlte. Meine
Gärtnermädchen sangen mit frühem Morgen, Frühlingslieder, und selbst ein paar
wilde, junge Menschen, die nicht weit von mir wohnen, waren aus ihrer
Fühllosigkeit erwacht, und stimmtem ihre rauen Töne zu sanften Gesängen um. Wir
fühlten uns ungewöhnlich heiter, und Nanette schlug vor
