 hin,
freundlich geöffnet, sich in einem fernen, lachenden Grund zu endigen scheint.
Über das tiefe Bett eines reißenden Bachs, führte von einem Felsen zum andern,
eine Brücke zu der Wohnung des frommen Einsiedlers. In der kleinen niedlichen
Hütte atmete alles Ruhe, Andacht und Genügsamkeit; nutzbare Pflanzen und
Kräuter blühten in dem Gärtchen vor der Wohnung, und einige sorgfältig
gepflanzte Blumen, besonders Rosen, gaben dieser Wildnis einen unbeschreiblich
rührenden Reiz. Ich fühlte meine Seele von dem heiligen Einfluss dieser Stelle
durchdrungen, der noch mächtiger wurde, als ich die ehrwürdige Gestalt des
Einsiedlers erblickte, der mich mit stiller Freundlichkeit begrüßte. Die Ruhe in
seinen Zügen, die hohe Freudigkeit in seinem reinen, himmelblauen Auge, war
nicht Stumpfheit oder Zerstöhrung aller menschlichen Gefühle und Wünsche, nicht
wesenlose, kranke Schwärmerei - nein! es war die glückliche Auflösung aller
Zweifel des Lebens, die Sicherheit vor jedem innern Kampf, die freudige
Entscheidung der den Menschen wichtigsten Fragen, die Ahndung einer schönen
Zukunft. - Meine Begleiter waren am Fuß des Felsens zurückgeblieben, und ich
setzte mich mit dem Einsiedler auf die Rasenbank vor der kleinen Hütte, wo
unschuldige Blumen uns umrankten, und die heiterste Bergluft uns umsäuselte. -
Hier fanden wir uns bald in Gesprächen vertieft, wie sie nur von Menschen
geführt werden können, deren Inneres ohne Falsch ist, und die sich durchaus in
keinen Verhältnissen des Lebens berühren, als in solchen, welche den Menschen
allgemein und heilig sind. - Ich konnte ihm alle meine Ideen, meine Zweifel und
Hoffnungen über Leben und Tod, alle meine Wünsche und Neigungen frei entdecken,
und fand in seinen einfachen Gegenreden, Beruhigung, Sicherheit und Freude. Dir
alle unsre Gespräche, der Folge nach, mitzuteilen, ist mir unmöglich, obgleich
meine ganze Seele, noch mit ihnen erfüllt ist, aber ich will hier einige
Fragmente seiner Gespräche hinschreiben, in welchen Du seinen Sinn aufs
getreueste übergetragen findest, wenn es auch seine Worte nicht immer sein
sollten.
Es gibt Eine Religion, sagte der fromme Einsiedler, welche allen andern
Religionen vorhergieng und zum Grunde liegt, und wer sie erkennt, dem geht eine
Klarheit auf, in welcher er den Zusammenhang Aller einsieht, und welche Licht
über alle Verhältnisse sterblicher Wesen verbreitet. - Die Gottheit hat ihren
Dienst selbst geoffenbaret; es war eine Zeit, wo Götter mit den Menschen
umgiengen, wo wirkliche Göttergestalten lebten. Daher die Heiligkeit des fernen
Altertums; je höher hinauf, je mehr Größe, Einfachheit, Göttlichkeit; alles
deutet darauf hin. Das, was wir Myte nennen, ist nur der ferne vielmal
gebrochne Widerhall einer ehemaligen Wahrheit, nicht die Menschen erfanden es,
sondern es war, und ich hoffe, dies wird einst bewiesen werden; diese
