 Ziele, als wer
sich selbst einbildet, er kenne schon das seltsame Reich, und wisse mit wenig
Worten seine Verfassung zu ergründen und überall den rechten Weg zu finden. Von
selbst geht keinem, der los sich riss und sich zur Insel machte, das Verständnis
auf, auch ohne Mühe nicht. Nur Kindern, oder kindlichen Menschen, die nicht
wissen, was sie tun, kann dies begegnen. Langer, unablässiger Umgang, freie und
künstliche Betrachtung, Aufmerksamkeit auf leise Winke und Züge, ein inneres
Dichterleben, geübte Sinne, ein einfaches und gottesfürchtiges Gemüt, das sind
die wesentlichen Erfordernisse eines ächten Naturfreundes, ohne welche keinem
sein Wunsch gedeihen wird. Nicht weise scheint es, eine Menschenwelt ohne volle
aufgeblühte Menschheit begreifen und verstehen zu wollen. Kein Sinn muss
schlummern, und wenn auch nicht alle gleich wach sind, so müssen sie doch alle
angeregt und nicht unterdrückt und erschlafft sein. So wie man einen künftigen
Mahler in dem Knaben sieht, der alle Wände und jeden ebenen Sand mit Zeichnungen
füllt, und Farben zu Figuren bunt verknüpft, so sieht man einen künftigen
Weltweisen in jenem, der allen natürlichen Dingen ohne Rast nachspürt,
nachfrägt, auf alles achtet, jedes merkwürdige zusammenträgt und froh ist, wenn
er einer neuen Erscheinung, einer neuen Kraft und Kenntnis Meister und Besitzer
geworden ist.
    Nun dünkt es Einigen, es sei der Mühe gar nicht wert, den endlosen
Zerspaltungen der Natur nachzugehn, und überdem ein gefährliches Unternehmen,
ohne Frucht und Ausgang. So wie man nie das kleinste Korn der festen Körper, nie
die einfachste Faser finden werde, weil alle Größe vor und rückwärts sich ins
Unendliche verliert, so sei es auch mit den Arten der Körper und Kräfte; auch
hier gerate man auf neue Arten, neue Zusammensetzungen, neue Erscheinungen bis
ins Unendliche. Sie schienen dann nur still zu stehen, wenn unser Fleiß ermatte,
und so verschwende man die edle Zeit mit müßigen Betrachtungen und langweiligem
Zählen, und werde dies zuletzt ein wahrer Wahnsinn, ein fester Schwindel an der
entsetzlichen Tiefe. Auch bleibe die Natur, so weit man käme, immer eine
furchtbare Mühle des Todes: überall ungeheurer Umschwung, unauflösliche
Wirbelkette, ein Reich der Gefrässigkeit, des tollsten Übermuts, eine
unglücksschwangere Unermesslichkeit; die wenigen lichten Punkte beleuchten nur
eine desto grausendere Nacht, und Schrecken aller Art müssten jeden Beobachter
zur Gefühllosigkeit ängstigen. Wie ein Heiland stehe dem armen
Menschengeschlechte der Tod zur Seite, denn ohne Tod wäre der Wahnsinnigste am
glücklichsten. Gerade jenes Streben nach Ergründung dieses riesenmässigen
Triebwerks sei schon ein Zug in die Tiefe, ein beginnender Schwindel: denn jeder
Reitz scheine ein wachsender Wirbel, der bald sich des Unglücklichen ganz
bemächtige, und ihn dann durch eine schreckenvolle Nacht mit sich fortreisse
