 Sie teilten sich gesellig in das große Werk, die einen
suchten die verstummten und verlohrnen Töne in Luft und Wäldern zu erwecken,
andre legten ihre Ahndungen und Bilder schönerer Geschlechter in Erz und Steine
nieder, bauten schönere Felsen zu Wohnungen wieder, brachten die verborgenen
Schätze aus den Grüften der Erde wieder ans Licht; zähmten die ausgelassenen
Ströme, bevölkerten das unwirtliche Meer, führten in öde Zonen alte, herrliche
Pflanzen und Tiere zurück, hemmten die Waldüberschwemmungen, und pflegten die
edleren Blumen und Kräuter, öffneten die Erde den belebenden Berührungen der
zeugenden Luft und des zündenden Lichts, lehrten die Farben zu reitzenden
Bildungen sich mischen und ordnen, und Wald und Wiese, Quellen und Felsen wieder
zu lieblichen Gärten zusammen zu treten, hauchten in die lebendigen Glieder
Töne, um sie zu entfalten, und in heitern Schwingungen zu bewegen, nahmen sich
der armen, verlassenen, für Menschensitte empfänglichen Tiere an, und säuberten
die Wälder von den schädlichen Ungeheuern, diesen Missgeburten einer entarteten
Fantasie. Bald lernte die Natur wieder freundlichere Sitten, sie ward sanfter
und erquicklicher, und ließ sich willig zur Beförderung der menschlichen Wünsche
finden. Allmählich fing ihr Herz wieder an menschlich sich zu regen, ihre
Fantasieen wurden heiterer, sie ward wieder umgänglich, und antwortete dem
freundlichen Frager gern, und so scheint allmählich die alte goldne Zeit
zurückzukommen, in der sie den Menschen Freundin, Trösterin, Priesterin und
Wundertäterin war, als sie unter ihnen wohnte und ein himmlischer Umgang die
Menschen zu Unsterblichen machte. Dann werden die Gestirne die Erde wieder
besuchen, der sie gram geworden waren in jenen Zeiten der Verfinsterung; dann
legt die Sonne ihren strengen Zepter nieder, und wird wieder Stern unter
Sternen, und alle Geschlechter der Welt kommen dann nach langer Trennung wieder
zusammen. Dann finden sich die alten verwaisten Familien, und jeder Tag sieht
neue Begrüßungen, neue Umarmungen; dann kommen die ehemaligen Bewohner der Erde
zu ihr zurück, in jedem Hügel regt sich neu erglimmende Asche, überall lodern
Flammen des Lebens empor, alte Wohnstätten werden neu erbaut, alte Zeiten
erneuert, und die Geschichte wird zum Traum einer unendlichen, unabsehlichen
Gegenwart.
    Wer dieses Stamms und dieses Glaubens ist, und gern auch das seinige zu
dieser Entwilderung der Natur beitragen will, geht in den Werkstätten der
Künstler umher, belauscht überall die unvermutet in allen Ständen
hervorbrechende Dichtkunst, wird nimmer müde die Natur zu betrachten und mit ihr
umzugehen, geht überall ihren Fingerzeigen nach, verschmäht keinen mühseligen
Gang, wenn sie ihm winkt, und sollte er auch durch Modergrüfte gehen: er findet
sicher unsägliche Schätze, das Grubenlichtchen steht am Ende still, und wer
weiß, in welche himmlische Geheimnisse ihn dann eine reitzende Bewohnerinn des
unterirdischen Reichs einweiht. Keiner irrt gewiss weiter ab vom
