 ihrer Geheimnisse teilhaftig wird. Manche Beglückte
gelangten früher, manche erst im hohen Alter dazu. Ein wahrer Forscher wird nie
alt, jeder ewige Trieb ist außer dem Gebiete der Lebenszeit, und je mehr die
äußere Hülle verwittert, desto heller und glänzender und mächtiger wird der
Kern. Auch haftet diese Gabe nicht an äußerer Schönheit, oder Kraft, oder
Einsicht, oder irgend einem menschlichen Vorzug. In allen Ständen, unter jedem
Alter und Geschlecht, in allen Zeitaltern und unter jedem Himmelsstriche hat es
Menschen gegeben, die von der Natur zu ihren Lieblingen ausersehn und durch
inneres Empfängnis beglückt waren. Oft schienen diese Menschen einfältiger und
ungeschickter zu sein, als Andere, und blieben ihr ganzes Leben hindurch in der
Dunkelheit des großen Haufens. Es ist sogar als eine rechte Seltenheit zu
achten, wenn man das wahre Naturverständniss bei großer Beredsamkeit, Klugheit,
und einem prächtigen Betragen findet, da es gemeiniglich die einfachen Worte,
den geraden Sinn, und ein schlichtes Wesen hervorbringt oder begleitet. In den
Werkstätten der Handwerker und Künstler, und da, wo die Menschen in vielfältigem
Umgang und Streit mit der Natur sind, als da ist beim Ackerbau, bei der
Schifffahrt, bei der Viehzucht, bei den Erzgruben, und so bei vielen andern
Gewerben, scheint die Entwickelung dieses Sinns am leichtesten und öftersten
statt zu finden. Wenn jede Kunst in der Erkenntnis der Mittel, einen gesuchten
Zweck zu erreichen, eine bestimmte Wirkung und Erscheinung hervorzubringen, und
in der Fertigkeit, diese Mittel zu wählen und anzuwenden, besteht, so muss
derjenige, der den innern Beruf fühlt, das Naturverständniss mehreren Menschen
gemein zu machen, diese Anlage in den Menschen vorzüglich zu entwickeln, und zu
pflegen, zuerst auf die natürlichen Anlässe dieser Entwicklung sorgfältig zu
achten und die Grundzüge dieser Kunst der Natur abzulernen suchen. Mit Hilfe
dieser erlangten Einsichten wird er sich ein System der Anwendung dieser Mittel
bei jedem gegebenen Individuum, auf Versuche, Zergliederung und Vergleichung
gegründet, bilden, sich dieses System bis zur andern Natur aneignen, und dann
mit Enthusiasmus sein belohnendes Geschäft anfangen. Nur diesen wird man mit
Recht einen Lehrer der Natur nennen können, da jeder andre bloße Naturalist nur
zufällig und sympatetisch, wie ein Naturerzeugniss selbst, den Sinn für die
Natur erwecken wird.
 
    
