 heftete sie an seine Brust, und ging an Klingsohrs Seite, der
nach der Stadt hinüber sah.
    Wo seid ihr hergekommen? fragte Klingsohr. Über jenen Hügel herunter,
erwiderte Heinrich. In jene Ferne verliert sich unser Weg. - Ihr müsst schöne
Gegenden gesehen haben. - Fast ununterbrochen sind wir durch reizende
Landschaften gereist. - Auch Eure Vaterstadt hat wohl eine anmutige Lage? -
Die Gegend ist abwechselnd genug; doch ist sie noch wild, und ein großer Fluss
fehlt ihr. Die Ströme sind die Augen einer Landschaft. - Die Erzählung eurer
Reise, sagte Klingsohr, hat mir gestern Abend eine angenehme Unterhaltung
gewährt. Ich habe wohl gemerkt, dass der Geist der Dichtkunst euer freundlicher
Begleiter ist. Eure Gefährten sind unbemerkt seine Stimmen geworden. In der Nähe
des Dichters bricht die Poesie überall aus. Das Land der Poesie, das romantische
Morgenland, hat euch mit seiner süßen Wehmut begrüßt; der Krieg hat euch in
seiner wilden Herrlichkeit angeredet, und die Natur und Geschichte sind euch
unter der Gestalt eines Bergmanns und eines Einsiedlers begegnet.
    Ihr vergesst das Beste, lieber Meister, die himmlische Erscheinung der Liebe.
Es hängt nur von euch ab, diese Erscheinung mir auf ewig festzuhalten. - Was
meinst du, rief Klingsohr, indem er sich zu Mathilden wandte, die eben auf ihn
zukam. Hast du Lust Heinrichs unzertrennliche Gefährtinn zu sein? Wo du bleibst,
bleibe ich auch. Matilde erschrak, sie flog in die Arme ihres Vaters. Heinrich
zitterte in unendlicher Freude. Wird er mich denn ewig geleiten wollen, lieber
Vater? - Frage ihn selbst, sagte Klingsohr gerührt. Sie sah Heinrichen mit der
innigsten Zärtlichkeit an. Meine Ewigkeit ist ja dein Werk, rief Heinrich, indem
ihm die Tränen über die blühenden Wangen stürzten. Sie umschlangen sich
zugleich. Klingsohr fasste sie in seine Arme. Meine Kinder, rief er, seid
einander treu bis in den Tod! Liebe und Treue werden euer Leben zur ewigen
Poesie machen.
 
                                 Achtes Kapitel
Nachmittags führte Klingsohr seinen neuen Sohn, an dessen Glück seine Mutter und
Großvater den zärtlichsten Anteil nahmen, und Mathilden wie seinen Schutzgeist
verehrten, in seine Stube, und machte ihn mit den Büchern bekannt. Sie sprachen
nachher von Poesie. Ich weiß nicht, sagte Klingsohr, warum man es für Poesie
nach gemeiner Weise hält, wenn man die Natur für einen Poeten ausgibt. Sie ist
es nicht zu allen Zeiten. Es ist in ihr, wie in dem Menschen, ein
entgegengesetztes Wesen, die dumpfe Begierde und die stumpfe Gefühllosigkeit und
Trägheit, die einen rastlosen Streit mit der Poesie führen. Er wäre ein schöner
Stoff zu einem Gedicht, dieser gewaltige Kampf. Manche Länder und Zeiten
scheinen, wie die meisten Menschen
