, wie einem Gastfreunde, alle ihre Schätze und verborgenen
Lieblichkeiten. Ihm dünkte die große einfache Erscheinung um ihn so
verständlich. Die Natur schien ihm nur deswegen so unbegreiflich, weil sie das
Nächste und Traulichste mit einer solchen Verschwendung von mannichfachen
Ausdrücken um den Menschen her türmte. Die Worte des Alten hatten eine
versteckte Tapetentür in ihm geöffnet. Er sah sein kleines Wohnzimmer dicht an
einen erhabenen Münster gebaut, aus dessen steinernem Boden die ernste Vorwelt
emporstieg, während von der Kuppel die klare fröliche Zukunft in goldnen
Engelskindern ihr singend entgegenschwebte. Gewaltige Klänge bebten in den
silbernen Gesang, und zu den weiten Toren traten alle Kreaturen herein, von
denen jede ihre innere Natur in einer einfachen Bitte und in einer
eigentümlichen Mundart vernehmlich aussprach. Wie wunderte er sich, dass ihm
diese klare, seinem Dasein schon unentbehrliche Ansicht so lange fremd geblieben
war. Nun übersah er auf einmal alle seine Verhältnisse mit der weiten Welt um
ihn her; fühlte was er durch sie geworden und was sie ihm werden würde, und
begrif alle die seltsamen Vorstellungen und Anregungen, die er schon oft in
ihrem Anschauen gespürt hatte. Die Erzählung der Kaufleute von dem Jünglinge,
der die Natur so emsig betrachtete, und der Eydam des Königs wurde, kam ihm
wieder zu Gedanken, und tausend andere Erinnerungen seines Lebens knüpften sich
von selbst an einen zauberischen Faden. Während der Zeit, dass Heinrich seinen
Betrachtungen nachhing, hatte sich die Gesellschaft der Höhle genähert. Der
Eingang war niedrig, und der Alte nahm eine Fackel und kletterte über einige
Steine zuerst hinein. Ein ziemlich fühlbarer Luftstrom kam ihm entgegen, und der
Alte versicherte, dass sie getrost folgen könnten. Die Furchtsamsten gingen
zuletzt, und hielten ihre Waffen in Bereitschaft. Heinrich und die Kaufleute
waren hinter dem Alten und der Knabe wanderte munter an seiner Seite. Der Weg
lief anfänglich in einem ziemlich schmalen Gange, welcher sich aber bald in eine
sehr weite und hohe Höhle endigte, die der Fackelglanz nicht völlig zu
erleuchten vermocht; doch sah man im Hintergrunde einige Öffnungen sich in die
Felsenwand verlieren. Der Boden war weich und ziemlich eben; die Wände so wie
die Decke waren ebenfalls nicht rau und unregelmäßig; aber was die
Aufmerksamkeit Aller vorzüglich beschäftigte, war die unzählige Menge von
Knochen und Zähnen, die den Boden bedeckten. Viele waren völlig erhalten, an
andern sah man Spuren der Verwesung, und die, welche aus den Wänden hin und
wieder hervorragten, schienen steinartig geworden zu sein. Die Meisten waren von
ungewöhnlicher Größe und Stärke. Der Alte freute sich über diese Überbleibsel
einer uralten Zeit; nur den Bauern war nicht wohl dabei zu Mute, denn sie
hielten sie für deutliche Spuren naher Raubtiere, so überzeugend ihnen auch der
Alte die Zeichen eines
