 der Alte scheint ein guter Mann zu sein, der wird schon
was Rechtes aus ihm ziehen. Die Kaufleute redeten, ob sie vielleicht durch den
Bergmann ein vorteilhaftes Verkehr mit Böhmen anspinnen und Metalle daher zu
guten Preisen erhalten möchten. Der Alte trat wieder in die Stube, und alle
wünschten seine Bekanntschaft zu benutzen. Er fing an und sagte: Wie dumpf und
ängstlich ist es doch hier in der engen Stube. Der Mond steht draußen in voller
Herrlichkeit, und ich hätte große Lust noch einen Spaziergang zu machen. Ich
habe heute bei Tage einige merkwürdige Höhlen hier in der Nähe gesehen.
Vielleicht entschließen sich Einige mitzugehn; und wenn wir nur Licht mitnehmen,
so werden wir ohne Schwierigkeiten uns darin umsehn können.
    Den Leuten aus dem Dorfe waren diese Höhlen schon bekannt: aber bis jetzt
hatte keiner gewagt hineinzusteigen; vielmehr trugen sie sich mit fürchterlichen
Sagen von Drachen und andern Untieren, die darin hausen sollten. Einige
wollten sie selbst gesehen haben, und behaupteten, dass man Knochen an ihrem
Eingange von geraubten und verzehrten Menschen und Tieren fände. Einige andre
vermeinten, dass ein Geist dieselben bewohne, wie sie denn einigemal aus der
Ferne eine seltsame menschliche Gestalt gesehen, auch zur Nachtzeit Gesänge da
herüber gehört haben wollten.
    Der Alte schien ihnen keinen großen Glauben beizumessen, und versicherte
lachend, dass sie unter dem Schutze eines Bergmanns getrost mitgehn könnten,
indem die Ungeheuer sich vor ihm scheuen müssten, ein singender Geist aber gewiss
ein wohltätiges Wesen sei. Die Neugier machte viele beherzt genug, seinen
Vorschlag einzugehn; auch Heinrich wünschte ihn zu begleiten, und seine Mutter
gab endlich auf das Zureden und Versprechen des Alten, genaue Acht auf Heinrichs
Sicherheit zu haben, seinen Bitten nach. Die Kaufleute waren eben so
entschlossen. Es wurden lange Kienspäne zu Fackeln zusammengeholt; ein Teil der
Gesellschaft versah sich noch zum Überfluss mit Leitern, Stangen, Stricken und
allerhand Verteidigungswerkzeugen, und so begann endlich die Wallfahrt nach den
nahen Hügeln. Der Alte ging mit Heinrich und den Kaufleuten voran. Jener Bauer
hatte seinen wissbegierigen Sohn herbeigeholt, der voller Freude sich einer
Fackel bemächtigte, und den Weg zu den Höhlen zeigte. Der Abend war heiter und
warm. Der Mond stand in mildem Glanze über den Hügeln, und ließ wunderliche
Träume in allen Kreaturen aufsteigen. Selbst wie ein Traum der Sonne, lag er
über der in sich gekehrten Traumwelt, und führte die in unzählige Grenzen
geteilte Natur in jene fabelhafte Urzeit zurück, wo jeder Keim noch für sich
schlummerte, und einsam und unberührt sich vergeblich sehnte, die dunkle Fülle
seines unermesslichen Daseins zu entfalten. In Heinrichs Gemüt spiegelte sich
das Märchen des Abends. Es war ihm, als ruhte die Welt aufgeschlossen in ihm,
und zeigte ihm
