 und in
seiner ursprünglichen bunten Wunderbarkeit erscheint. Die Natur will nicht der
ausschliessliche Besitz eines Einzigen sein. Als Eigentum verwandelt sie sich in
ein böses Gift, was die Ruhe verscheucht, und die verderbliche Lust, alles in
diesen Kreis des Besitzers zu ziehen, mit einem Gefolge von unendlichen Sorgen
und wilden Leidenschaften herbeilockt. So untergräbt sie heimlich den Grund des
Eigentümers, und begräbt ihn bald in den einbrechenden Abgrund, um aus Hand in
Hand zu gehen, und so ihre Neigung, Allen anzugehören, allmählich zu
befriedigen.
    Wie ruhig arbeitet dagegen der arme genügsame Bergmann in seinen tiefen
Einöden, entfernt von dem unruhigen Tumult des Tages, und einzig von Wissbegier
und Liebe zur Eintracht beseelt. Er gedenkt in seiner Einsamkeit mit inniger
Herzlichkeit seiner Genossen und seiner Familie, und fühlt immer erneuert die
gegenseitige Unentbehrlichkeit und Blutsverwandtschaft der Menschen. Sein Beruf
lehrt ihn unermüdliche Geduld, und lässt nicht zu, dass sich seine Aufmerksamkeit
in unnütze Gedanken zerstreue. Er hat mit einer wunderlichen harten und
unbiegsamen Macht zu tun, die nur durch hartnäckigen Fleiß und beständige
Wachsamkeit zu überwinden ist. Aber welches köstliche Gewächs blüht ihm auch in
diesen schauerlichen Tiefen, das wahrhafte Vertrauen zu seinem himmlischen
Vater, dessen Hand und Vorsorge ihm alle Tage in unverkennbaren Zeichen sichtbar
wird. Wie unzähliche mal habe ich nicht vor Ort gesessen, und bei dem Schein
meiner Lampe das schichte Krucifix mit der innigsten Andacht betrachtet! da habe
ich erst den heiligen Sinn dieses rätselhaften Bildnisses recht gefasst, und den
edelsten Gang meines Herzens erschürft, der mir eine ewige Ausbeute gewährt hat.
    Der Alte fuhr nach einer Weile fort und sagte: Wahrhaftig, das muss ein
göttlicher Mann gewesen sein, der den Menschen zuerst die edle Kunst des
Bergbaus gelehrt, und in dem Schoss der Felsen dieses ernste Sinnbild des
menschlichen Lebens verborgen hat. Hier ist der Gang mächtig und gebräch, aber
arm, dort drückt ihn der Felsen in eine armselige, unbedeutende Kluft zusammen,
und gerade hier brechen die edelsten Geschicke ein. Andre Gänge verunedlen ihn,
bis sich ein verwandter Gang freundlich mit ihm schaart, und seinen Wert
unendlich erhöht. Oft zerschlägt er sich vor dem Bergmann in tausend Trümmern:
aber der Geduldige lässt sich nicht schrecken, er verfolgt ruhig seinen Weg, und
sieht seinen Eifer belohnt, indem er ihn bald wieder in neuer Mächtigkeit und
Höflichkeit ausrichtet. Oft lockt ihn ein betrügliches Trum aus der wahren
Richtung; aber bald erkennt er den falschen Weg, und bricht mit Gewalt
querfeldein, bis er den wahren erzführenden Gang wiedergefunden hat. Wie bekannt
wird hier nicht der Bergmann mit allen Launen des Zufalls, wie sicher aber auch,
dass Eifer und Beständigkeit die einzigen untrüglichen Mittel sind, sie zu
bemeistern, und die von ihnen hartnäckig
