 da alle widrige gehässige
Leidenschaften, wie Misstöne von der sanften harmonischen Stimmung verscheucht
wurden, die in allen Gemütern herrschend war. Frieden der Seele und innres
seeliges Anschauen einer selbst geschaffenen, glücklichen Welt war das Eigentum
dieser wunderbaren Zeit geworden, und die Zwietracht erschien nur in den alten
Sagen der Dichter, als eine ehemalige Feindinn der Menschen. Es schien, als
hätten die Geister des Gesanges ihrem Beschützer kein lieblicheres Zeichen der
Dankbarkeit geben können, als seine Tochter, die alles besaß, was die süßeste
Einbildungskraft nur in der zarten Gestalt eines Mädchens vereinigen konnte.
Wenn man sie an den schönen Festen unter einer Schaar reitzender Gespielen, im
weißen glänzenden Gewande erblickte, wie sie den Wettgesängen der begeisterten
Sänger mit tiefem Lauschen zuhörte, und errötend einen duftenden Kranz auf die
Locken des Glücklichen drückte, dessen Lied den Preis gewonnen hatte: so hielt
man sie für die sichtbare Seele jener herrlichen Kunst, die jene Zaubersprüche
beschworen hätten, und hörte auf sich über die Entzückungen und Melodien der
Dichter zu wundern.
    Mitten in diesem irdischen Paradiese schien jedoch ein geheimnisvolles
Schicksal zu schweben. Die einzige Sorge der Bewohner dieser Gegenden betraf die
Vermählung der aufblühenden Prinzessin, von der die Fortdauer dieser seligen
Zeiten und das Verhängnis des ganzen Landes abhing. Der König ward immer älter.
Ihm selbst schien diese Sorge lebhaft am Herzen zu liegen, und doch zeigte sich
keine Aussicht zu einer Vermählung für sie, die allen Wünschen angemessen
gewesen wäre. Die heilige Ehrfurcht für das königliche Haus erlaubte keinem
Untertan, an die Möglichkeit zu denken, die Prinzessin zu besitzen. Man
betrachtete sie wie ein überirdisches Wesen, und alle Prinzen aus andern
Ländern, die sich mit Ansprüchen auf sie am Hofe gezeigt hatten, schienen so
tief unter ihr zu sein, dass kein Mensch auf den Einfall kam, die Prinzessin oder
der König werde die Augen auf einen unter ihnen richten. Das Gefühl des
Abstandes hatte sie auch allmählich alle verscheucht, und das ausgesprengte
Gerücht des ausschweifenden Stolzes dieser königlichen Familie schien Andern
alle Lust zu benehmen, sich ebenfalls gedemütigt zu sehen. Ganz ungegründet war
auch dieses Gerücht nicht. Der König war bei aller Milde beinah unwillkürlich
in ein Gefühl der Erhabenheit geraten, was ihm jeden Gedanken an die Verbindung
seiner Tochter mit einem Manne von niedrigerem Stande und dunklerer Herkunft
unmöglich oder unerträglich machte. Ihr hoher, einziger Wert hatte jenes Gefühl
in ihm immer mehr bestätigt. Er war aus einer uralten Morgenländischen
Königsfamilie entsprossen. Seine Gemahlin war der letzte Zweig der
Nachkommenschaft des berühmten Helden Rustan gewesen. Seine Dichter hatten ihm
unaufhörlich von seiner Verwand[t]schafft mit den ehemaligen übermenschlichen
Beherrschern der Welt vorgesungen, und in dem Zauberspiegel ihrer Kunst war ihm
der Abstand seiner Herkunft von dem Ursprunge der andern Menschen, die
Herrlichkeit seines Stammes noch
