, nach des Sängers
Sprunge, sich sogleich in seine Hinterlassenschaft zu teilen angefangen. Bei
dieser Teilung war Streit unter ihnen entstanden, und hatte sich in einen
mörderischen Kampf geendigt, der den Meisten das Leben gekostet; die wenigen,
die übrig geblieben, hatten allein das Schiff nicht regieren können, und es war
bald auf den Strand geraten, wo es scheiterte und unterging. Sie brachten mit
genauer Not das Leben davon, und kamen mit leeren Händen und zerrissenen
Kleidern ans Land, und so kehrten durch die Hilfe des dankbaren Meertiers, das
die Schätze im Meere aufsuchte, dieselben in die Hände ihres alten Besitzers
zurück.
 
                                Drittes Kapitel
Eine andere Geschichte, fuhren die Kaufleute nach einer Pause fort, die freilich
nicht so wunderbar und auch aus späteren Zeiten ist, wird euch vielleicht doch
gefallen, und euch mit den Wirkungen jener wunderbaren Kunst noch bekannter
machen. Ein alter König hielt einen glänzenden Hof. Weit und breit strömten
Menschen herzu, um Teil an der Herrlichkeit seines Lebens zu haben, und es
gebrach weder den täglichen Festen an Überfluss köstlicher Waren des Gaume[n]s,
noch an Musik, prächtigen Verzierungen und Trachten, und tausend abwechselnden
Schauspielen und Zeitvertreiben, noch endlich an sinnreicher Anordnung, an
klugen, gefälligen, und unterrichteten Männern zur Unterhaltung und Beseelung
der Gespräche, und an schöner, anmutiger Jugend von beiden Geschlechtern, die
die eigentliche Seele reitzender Feste ausmachen. Der alte König, der sonst ein
strenger und ernster Mann war, hatte zwei Neigungen, die der wahre Anlass dieser
prächtigen Hofhaltung waren, und denen sie ihre schöne Einrichtung zu danken
hatte. Eine war die Zärtlichkeit für seine Tochter, die ihm als Andenken seiner
früh verstorbenen Gemahlin und als ein unaussprechlich liebenswürdiges Mädchen
unendlich teuer war, und für die er gern alle Schätze der Natur und alle Macht
des menschlichen Geistes aufgeboten hätte, um ihr einen Himmel auf Erden zu
verschaffen. Die Andere war eine wahre Leidenschaft für die Dichtkunst und ihre
Meister. Er hatte von Jugend auf die Werke der Dichter mit innigem Vergnügen
gelesen; an ihre Sammlung aus allen Sprachen großen Fleiß und große Summen
gewendet, und von jeher den Umgang der Sänger über alles geschätzt. Von allen
Enden zog er sie an seinen Hof und überhäufte sie mit Ehren. Er ward nicht müde
ihren Gesängen zuzuhören, und vergaß oft die wichtigsten Angelegenheiten, ja die
Bedürfnisse des Lebens über einem neuen, hinreissenden Gesange. Seine Tochter war
unter Gesängen aufgewachsen, und ihre ganze Seele war ein zartes Lied geworden,
ein einfacher Ausdruck der Wehmut und Sehnsucht. Der wohltätige Einfluss der
beschützten und geehrten Dichter zeigte sich im ganzen Lande, besonders aber am
Hofe. Man genoss das Leben mit langsamen, kleinen Zügen wie einen köstlichen
Trank, und mit desto reinerem Wohlbehagen,
